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Diese wunderbare Krimiserie wärmt Herz und Seele: Katharina Schendel – Hummelstich

Die 63-Jährige rüstige Rentnerin Scarabea (Bea) von Maarstein ist ein wahrhaft bunter Charakter, nicht nur, was ihre Kleidung angeht. Sie ist schon durch die halbe Welt mit ihrem Bücherbus getingelt. Denn ihre große Leidenschaft, das Lesen, wollte sie auch anderen Menschen auf diese Weise näher bringen.

Nun ist ihre beste Freundin Henrietta (Hetti) von Eichhorn, eine ehemalige Zirkusartistin, verstorben. Sie hat Bea darum nicht nur drei Wurfmesser hinterlassen, sondern außerdem noch ein komplettes Haus voller Bücher in der kleinen Ortschaft Hummelstich. Die weit Gereiste fühlt sich sofort wohl in dem Haus. Ebenso wie ihr Lebensgefährte Dr. Jekyll, ein rot gefiederter Ara Papagei, der sich selbst allerdings für einen Menschen hält.

Bei näherer Betrachtung der Bücher in Hettis Arbeitszimmer fällt Bea plötzlich auf, dass aus Hettis Lieblingskrimi, „Die Mausefalle“ von Agatha Christie, ein blutiges Messer herausragt. Mit einem Mal bekommt sie Zweifel an der Tatsache, das Hetti eines natürlichen Todes gestorben sein soll. Sie wendet sich darum an die örtliche Polizei, verkörpert durch den jungen Dorfpolizisten Sven Grüneis. Gemeinsam mit ihm macht sie sich auf die Suche nach dem Mörder ihrer besten Freundin und das mit viel Gespür und Leidenschaft für die Sache.

Schon bald schließen die beiden Freundschaft miteinander. Eine, die sie auch zukünftig zu Partnern in Sachen Ermittlungen machen wird. Ebenfalls eine ortsansässige Tierärztin und ein Kriminalinspektor aus der nahegelegenen Stadt werden zur festen Besetzung dieser Kurzkrimireihe aus dem Hause Lübbe Audio. Eine wahrhaft gelungene Serie, die sich Autorin Katharina Schendel da ausgedacht hat. Die Charaktere werden von ihr äußerst warmherzig und menschlich gezeichnet, so dass es jedesmal viel Freude macht, der jeweiligen Folge zuzuhören.

Das liegt nicht zuletzt auch an Vorleserin Gabriele Blum. Sie verkörpert nicht nur den Papagei Dr. Jekyll wahrlich meisterhaft, sondern man merkt auch bei allen anderen Charakteren, dass ihr der Vortrag großen Spaß gemacht haben muss. Mittlerweile sind neben der ersten Folge Ein Mord kommt selten allein noch zwei weitere Folgen erschienen. Für mich eine ganz klare Hörempfehlung.

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Mörderisch schmackhaft: Jörg Maurer – Den letzten Gang serviert der Tod

Kommissar Hubertus Jennerwein aus dem schönen Allgäu wird in seinem 13. Fall zu einem ganz besonderen Gasthof, dem „Hubschmit’s“, gerufen. Hier trifft sich die örtliche Prominenz regelmäßig zum Kochen in einem extra dafür geschaffenen Kochclub. Doch nun wurde im Hubschmit’s dem ebenfalls zum Club gehörigen Chefkoch im wahrsten Sinne des Wortes die Suppe versalzen. Er wird niedergestochen und kopfüber in eine kochende Bouillabaisse versunken aufgefunden.

Kurze Zeit später wird auch sein Chef mit viel Heimtücke umgebracht. Als man ihn findet sitzt er vor einem Teller mit gekochten Steinpilzen. Vorab wurde er offensichtlich vergiftet. Jennerwein und sein Team müssen die beiden wahrhaft geschmacklosen Mordtaten aufklären. Was sogar ein ehemaliger Bundespräsident und Superstar Bob Dylan mit der ganzen Sache zu tun haben, das erfährt der Hörer aus dem Munde von Autor und Kabarettist Jörg Maurer höchstpersönlich. Auch Pilzliebhaber und Freunde der gehobenen Gastronomie kommen bei diesem Krimi auf ihre Kosten.

Mir gefällt es sehr gut, mit wie viel unterschwelligem Humor und zudem Liebe zum Detail Maurer seine Geschichten schreibt. Die knapp elf Stunden Spieldauer von Den letzten Gang serviert der Tod, erschienen im Argon Verlag, vergehen durch die launige Art seines Vortrages wie im Fluge und man hat dabei dann sogar noch was gelernt.

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Was der Hass eines Vaters doch für Folgen haben kann: Andreas Franz – Schrei der Nachtigall

Landwirt Kurt Wrontzek bricht sich eines Tages unerwartet bei einem Sturz von seinem Heuschober das Genick. Kurze Zeit später wird seine Tochter Allegra gemeinsam mit ihrem Freund Johannes in einen Autounfall verwickelt, bei dem der Freund stirbt. Allegra selbst wird fortan zur Wachkomapatientin.

Danach wird im Ort bekannt, dass der für die Gesunderhaltung der Großtiere des Bauern verantwortliche Tierarzt des Öfteren gemeinsam mit dem Landwirt beim örtlichen horizontalen Gewerbe zu Gast war. Dessen Frau war ebenfalls vor einigen Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Zufall, oder hängen diese ganzen Ereignisse irgendwie miteinander zusammen?

Hauptkommissar Peter Brandt von der Kripo Offenbach ermittelt. Dabei treten noch einige weitere Ereignisse zu Tage, von denen die Öffentlichkeit bislang noch nichts wusste…

Andreas Franz, der geniale Schriftsteller und Erschaffer dieser Zeilen, ist leider schon im Jahr 2011 verstorben. Dennoch wurde im August 2020 ein erneuter Teil seiner Reihe um den Ermittler Peter Brandt von Audio To Go mit Tommi Piper als Sprecher vertont.

Als Liebhaber von Krimi Hörbüchern solltet Ihr Euch Schrei der Nachtigall, ein wahres Prunkstück aus der Feder des viel zu früh verstorbenen Autors, auf keinen Fall entgehen lassen.

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Das vermeintlich schwache Geschlecht schlägt zurück: Camilla Läckberg – No mercy. Rache ist weiblich.

Schweden in einem ganz normalen Jahr noch vor Corona. Hier leben an unterschiedlichen Orten drei Frauen mit den Namen Ingrid, Brigitta und Viktoria. Alle drei haben ihre eigenen Lebensläufe und verschiedene Interessen. Auch sind sie unterschiedlich alt. Was sie jeweils allerdings eint, ist, dass jede von ihnen mit einem narzisstischen, nur an sein eigenes Vergnügen denkenden, Mistkerl verheiratet ist.

Jede von ihnen hat, unabhängig voneinander, darum langfristig nur einen Plan: Sie will ihren Mann verlassen, ein neues Leben beginnen und von ihm zukünftig in Ruhe gelassen werden. Möglicherweise, wenn er es nicht anders kapiert, sogar, indem sie ihn aus dem Weg schafft. Doch das ist alles gar nicht so einfach. Viktoria beispielsweise ist aus Russland immigriert und darf nur deswegen in Schweden leben, weil sie mit dem Schweden Malte, angeblich Inhaber einer IT-Firma und dazu noch Tagedieb, verheiratet ist.

Ingrid war mal Journalistin und ist nur ihrem Mann Tommy zuliebe zu Hause geblieben, weil er als Chefreporter ein wesentlich höheres Gehalt mit nach Hause bringt. Brigitta hat von vorn herein auf einen Job verzichtet, weil sie und ihr Mann Jakob, ein selbstständig tätiger Buchhalter, Zwillinge zu versorgen haben. Die beiden 20-Jährigen Jungs sind mittlerweile allerdings aus dem Gröbsten raus.

Das Besondere an den drei Ehemännern ist zudem, dass sie entweder untreu sind oder gewalttätig. Also Typen, mit denen eigentlich keine Frau etwas zu tun haben möchte. Aber, wie dem meist so ist: Zu Beginn konnten sie auch richtig charmant sein, das allerdings nur, bevor sie den Frauen ihr wahres Gesicht gezeigt haben. Nachdem die Damen ihnen dann den kleinen Finger gereicht haben, haben sie gleich die ganze Hand genommen.

Nun wollen sich die Damen, jede auf ihre ganz eigene Weise, dafür erkenntlich zeigen, aber wie sie das machen, das werde ich Euch noch nicht verraten. Denn dafür solltet Ihr Euch das grandiose Werk No Mercy: Rache ist weiblich tatsächlich selbst anhören. Nach dieser raffinierten Kurzgeschichte kann ich zumindest verstehen, warum Camilla Läckberg auch die schwedische Antwort auf Agatha Christie genannt wird.

Mir hat das von Vera Teltz intonierte zweieinhalb-stündige Hörbuch, herausgegeben von Hörbuch Hamburg, sehr gut gefallen und ich freue mich auch darauf, mir mal etwas Längeres von Frau Läckberg anzuhören.

Hörprobe

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Kleiner Polizist mit großem Auftrag: Klaus-Peter Wolf – Rupert Undercover

Bei der Kripo in der ostfriesischen Stadt Norden herrscht im Team von Hauptkommissarin Ann-Kathrin Klassen helle Aufregung. Nun soll endlich Kommissar Ruperts Probe aufs Exempel für seinen langersehnten Gang zum BKA stattfinden. Er ist nämlich der so gut wie perfekte Doppelgänger von Frederico Müller-Gonzales, einer Unterweltgröße im Drogenmilieu. Diesen Dealerboss hat das BKA kürzlich einkassiert. Nun soll Rupert ihn vor dessen Schergen vertreten. Damit will das BKA die ganze Bande auf einmal hochgehen lassen.

Kriminaldirektorin Liane Brennecke ist damit beauftragt, Rupert abzuholen und in seinen neuen Job einzuweisen. Rupert freut sich wie ein kleiner Junge, denn ausgerechnet an seinem Geburtstag geht sein seit Kindheitstagen gehegter Wunsch in Erfüllung. Doch für seinen Job muss er zunächst einmal in kürzester Zeit 10 Kilo zulegen, zum Vegetarier werden und dazu noch zum Weinkenner. Denn das gehört zum Charakter von Frederico Müller-Gonzalez dazu. Auch in Sachen bildender Kunst und in unterschiedlichen Sprachen muss er Kenntnisse erlangen, und dass möglichst schnell.

Keine leichte Aufgabe für den Sunny Boy unter den Nordener Polizisten. Aber er wagt es trotzdem. Wie er seine Aufgabe meistert und ob die Schergen aus der Unterwelt ihm auf den Leim gehen, das erfahrt Ihr, wenn Ihr in das, ebenso, wie die Sommerfeldt Triologie der letzten drei Jahre, von Klaus-Peter Wolf erneut als Sommerkomödie angelegte, Hörbuch Rupert Undercover, erschienen bei Goya Lit, hineinhört. Natürlich hat der Autor es sich auch dieses Mal nicht nehmen lassen, den Text selbst vorzutragen. Auch seine Frau, Bettina Göschl, hat dieses Mal mit einer wunderschönen einleitenden Titelmusik zum Hörbuch beigetragen.

Mich wundert es, ehrlich gesagt, nicht, dass Klaus-Peter Wolfs Fangemeinde immer größer wird. Die Kriminalfälle, die er sich ausdenkt, sind ebenso spannend, wie die Charaktere, die darin verwickelt sind. Außerdem zeigt er immer wieder, wie humorvoll auch die Norddeutschen, hier vor allem die Ostfriesen, sein können. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall aus seiner Feder.

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Tanzen weckt bei jedem die vergessene Lebensfreude: James Gould-Bourn – Pandatage

Noch ein Ausflug in die britische Hauptstadt: Danny Malooley ist Mitte 30 und arbeitet als Bauarbeiter auf einer Baustelle in London. Seit vor einem Jahr seine Frau Liz bei einem Unfall ums Leben gekommen ist, läuft bei ihm und auch bei seinem kleinen Sohn Will das Leben nicht mehr rund. Will sass bei dem Unfall hinter seiner Mutter im Auto, musste mitansehen, dass man ihr nicht mehr helfen konnte und redet seitdem kein Wort mehr. Auch Danny hat Probleme: Seit geraumer Zeit droht ihm und seinem Sohn der Vermieter mit Rauswurf aus der gemeinsamen Wohnung. Außerdem gibt es für ihn auf der Baustelle nichts mehr zu tun und man kündigt ihm.

Um das möglichst lange vor seinem Sohn zu verheimlichen, begibt er sich während der Zeit, in der er sonst auf der Arbeit gewesen wäre, auf Jobsuche. Er findet jedoch zunächst einmal nichts. Dann beobachtet er, eher durch Zufall, die Kleinkünstler, die sich in einem Londoner Park durch Vorführungen und Akrobatik Geld verdienen. Er beschließt, es ihnen gleichzutun und begibt sich in einen Kostümverleih, wo er dass eher ladenhütende Kostüm eines Pandabären ersteht. Er begibt sich damit in den Park und beginnt fortan, als Tanzbär aufzutreten. Zunächst erntet er damit nur „Buh“-Rufe.

Dann jedoch beginnt die Pole Tänzerin Krystal, sich seiner zu erbarmen und bringt ihm das Tanzen bei. Welche Rolle Will bei all dem noch spielen wird, ob er jemals wieder spricht und warum Danny in seinem Kostüm zu einem Tanzwettbewerb antritt, das solltet Ihr beim Hören dieses von Hendrik Duryn grandios vorgetragenen Hörbuches aus dem Argon Verlag selbst in Erfahrung bringen. Mir hat das Hörbuch, das in Buchform in Deutschland bei Kiepenheuer und Witsch erschienen ist, sehr gut gefallen. Irgendwie hat es mich zudem an meine eigene verstorbene Mutter erinnert und daran, dass ich gern mal wieder in der Lage wäre, zu tanzen…

James Gould-Bourn ist mit Pandatage eine wunderschöne Geschichte gelungen, die gleichzeitig anrührend, komisch und traurig ist. Eine Geschichte, die man in dieser merkwürdigen Zeit auf jeden Fall gehört haben sollte, um sich klar zu machen, dass das Leben etwas Wunderbares ist, was man nur ein Mal erleben kann.

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Alles andere, als tottraurig: Richard Roper – Das Beste kommt noch

Der melancholische Andrew Smith ist Angestellter bei der Nachlassverwaltungsbehörde eines Londoner Stadtteils. Beim Bewerbungsgespräch dazu hatte er gegenüber seinem Chef Cameron über sich berichtet, er sei Vater von zwei Kindern und glücklich mit seiner Frau Dianne verheiratet. Außerdem würde ihm seine zukünftige Tätigkeit aufgrund des Nutzens für die Menschen viel Freude bereiten. Nichts davon stimmte.

In Wahrheit ist Andrew Single und lebt allein – ähnlich, wie viele seiner verstorbenen Kunden. Er beschäftigt sich dafür ausgiebig mit seinem Hobby Modelleisenbahnen und tauscht sich gern mit anderen Eisenbahnliebhabern in einem Forum im Internet aus. Über seine fiktive Familie erfindet er im Laufe der Zeit gegenüber seinem Chef und den Kollegen immer neue Geschichten. So hält er seine Lüge aufrecht. Bis seine neue Kollegin Peggy bei ihm im Büro anfängt. Schon während der Einarbeitung bemerkt er, dass sie ihm gefällt. Doch leider ist die temperamentvolle Rothaarige verheiratet und denkt auch dasselbe von ihm. Dennoch versucht er sein Glück bei ihr, denn ein solcher Mensch wird ihm so schnell nicht wieder begegnen…

Irgendwie haben mich Andrews Lügengeschichten an etwas erinnert, was mir selbst vor etwas mehr als 15 Jahren widerfahren ist. Jemand, bei dem ich glaubte, ihn sehr gut zu kennen, hat sich im Nachhinein als riesengroßer Lügenbold herausgestellt. Meine Geschichte ging damals darum auch nicht so gut aus, wie die romantische Liebesgeschichte von Richard Roper es vermutlich tun wird. Ich will Euch natürlich nicht zu viel davon verraten.

Als Hörbuchinterpret hat sich, nach meinem Empfinden, Matthias Matschke als echter Glücksfall herausgestellt. Denn er versteht es hervorragend, die leisen humorvollen Zwischentöne aus der Geschichte heraus zu kitzeln. Das Beste kommt noch ist im Argon Verlag erschienen und als romantische Komödie fürs Wochenende (oder in der Corona Zwangspause) wärmstens zu empfehlen.

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Wenn aus Freundschaft Besessenheit wird: Elisabeth Kay – Sieben Lügen

Was heißt es, von einem Menschen ganz und gar besessen zu sein? Wenn ein Mensch glaubt, ein anderer gehöre ihm. Wenn es sich dabei nicht mal um Mann und Frau handelt, sondern nur um beste Freundinnen. Dann könnte es sich dabei um den Roman Sieben Lügen von Elisabeth Kay handeln. Denn in diesem Roman erzählt Jane einer imaginären dritten Person von ihrem einmalig guten Verhältnis zu ihrer besten Freundin Marnie. Und von ihrer Eifersucht gegenüber Marnies Vorlobtem Charles, den sie von ganzem Herzen hasst und am liebsten umbringen möchte.

Er ist in dieser Hinsicht noch nicht mal der Einzige. Vor Charles hatte Marnie schon einige Freunde, die Jane wortlos aus ihrer Welt herausgeschafft hatte, ohne ihnen dabei auch nur ein Haar zu krümmen. Einfach, indem sie mit List und Tücke vorgegangen war. Charles allerdings gibt Jane auch mehr, als einmal die Gelegenheit dazu, ihn voll und ganz abzulehnen. Zur Hochzeit möchte er beispielsweise seine Mutter nicht dabei haben, weil sie krebskrank ist und er kranke Menschen hasst. Am Abend der Hochzeit fasst er Jane mit voller Absicht an die Brust. Natürlich ohne, dass Marnie es merkt.

Seine Wichtigtuerei vor Fremden mit seinen Erfolgen tut dazu noch ein Übriges. Jane sinnt nach Charles‘ Grabschereien auf eine Möglichkeit, diesen absolut verhassten Menschen ein für alle Male aus dem Verkehr zu ziehen. Schließlich ist Marnie IHRE Freundin und das soll auch so bleiben…

Um es gleich vorweg zu sagen: Elisabeth Kay ist mit ihrem bei Lübbe Audio erschienenen Hörbuch Sieben Lügen (brillant gelesen von Britta Steffenhagen) kein wirklicher Thriller, wohl aber eine interessante Persönlichkeitsstudie der Protagonistin Jane gelungen. Diese leidet ganz offensichtlich an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Das heißt, sie möchte ihre beste Freundin Marnie ganz für sich allein besitzen. Dabei stören andere Menschen natürlich vollends. Dass sie dabei noch nicht einmal vor einem Mord an Marnies Ehemann zurückgeschrecken will, ist ein weiteres Indiz für ihre krankhafte Weltsicht.

Mir hat bei dem gesamten Hörbuch zwar ein wenig die Spannung gefehlt, aber dafür bekam man Einblick in die Gedankenwelt eines oftmals nur heimlich agierenden besitzergreifenden Menschen, die sonst zumeist im Verborgenen bleibt. Das hat mir wiederum sehr gut gefallen.

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Der Auftakt einer zweiten „Millenium-Triologie“: Linus Geschke – Tannenstein


Fast 15 Jahre nach der Veröffentlichung von Verblendung, dem ersten Hörbuch der Millennium Triologie von Stieg Larsson, ist nun in Deutschland ein wahrlich ebenbürtiges Werk erschienen. Der aus Köln stammende Autor trägt den Namen Linus Geschke, ist wie Larsson ebenfalls Journalist und das erste Hörbuch seiner von Audible Studios vertonen Triologie ist betitelt mit dem Namen Tannenstein.

Die Hauptfigur ist, anders als bei Larsson, ein normalerweise beim LKA Berlin tätiger Polizist namens Alexander Born. Er bekommt in seinem ersten Fall bereits jede Menge zu tun. Fünf Jahre bevor er überhaupt tätig wird ist in dem kleinen sächsischen Dorf Tannenstein, gelegen unweit der tschechischen Grenze, ein Wanderer in einer zum Ort gehörenden Herberge untergekommen. Dieser Mann, der sich niemandem vorstellt, lebt fast ein ganzes Jahr unauffällig mit den Dorfbewohnern im Ort zusammen. Dann betritt er 2013 plötzlich eines Abends die örtliche Gastwirtschaft und erschießt dort elf Gäste. Unter ihnen befindet sich Lydia, ebenfalls Polizistin und die ehemalige Geliebte Borns, der zu dieser Zeit in einer JVA aufgrund von Drogenhandel einsitzt.

Offensichtlich möchte der Täter gefunden werden, denn er sendet Alexander Born jedes Jahr am Jahrestag einen Zettel mit der Aufschrift Tannenstein ins Gefängnis. Nachdem Born 2017 von dort frei kommt bittet er seinen Chef beim LKA Berlin, nach Tannenstein versetzt zu werden. Denn er möchte Lydias Mörder finden. Hilfe bekommt er dabei von Nora Bernsen. Sie ist ebenfalls beim LKA tätig und ein Ass in Sachen Recherche. Sie findet schnell heraus, das der Fall irgendetwas mit der russischen Mafia zu tun hat. Als Born daraufhin seinen russischen Gefängnis-Kumpel Dimitri interviewt, fällt immer wieder der Name Wladimir Kosslov. Der soll in Mafia-Kreisen ein hohes Tier sein. Was er jedoch mit dem Wanderer zu tun hat, das muss Born erst noch herausfinden…

Ich habe in den letzten Jahren ja schon viele Kriminalromane gehört, aber so sehr überrascht hat mich noch keiner. Das fängt schon an mit der fast wie selbstverständlich ausgeführten Tat des Wanderers. Auch die Methoden, mit denen Born und Bernsen ermitteln, sind alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Geschke hat für seinen Roman in jedwede Richtung sehr gut recherchiert. Darüber hinaus schafft er es durch seinen wunderbar nüchternen Schreibstil, seine Hörer an die Geschichte zu fesseln. Unterstützung bekommt er dabei von Hörbuchsprecher Peter Lontzek, der das Ganze auf grandiose Weise vorträgt. Mir hat das Hörbuch richtig gut gefallen und ich bin schon sehr gespannt auf den zweiten Teil, der Finsterthal heißt und kürzlich erschienen ist. Nur auf den dritten Teil der Born- Triologie müssen gespannte Hörer noch bis zum Januar 2021 warten.

Hörprobe