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Herrlich durchgeknallt, fast wie ein Hardcorecomic aus dem Hause EEE: Bela B. Felsenheimer – Scharnow

Dass Farin Urlaub schon mehrere umfangreiche Fotobände von seinen Reisen veröffentlicht und sein Bandkollege Rodrigo kürzlich eine Dokumentation über die Musik in seiner Heimat Chile gedreht hat dürfte echten Fans der Ärzte geläufig sein. Auch, dass Bela B. bis vor Kurzem sein eigenes Comic Label betrieben und im vergangenen Jahr ein Live Hörspiel mit dem Titel Sartana – noch warm und schon Sand drauf auf die Bühne gebracht hat, weiß man einfach als Fan der „besten Band der Welt“. Richtig gespannt bin ich derzeit auf den Ausgang des Buchstabenrätsels auf ihrer Homepage. Dabei tippe ich mittlerweile auf das Wort ABSTRAKT, kann aber nicht erklären, warum.

In der Zwischenzeit werde ich jetzt erst einmal Bela B.’s Debütroman Scharnow rezensieren, den er unter seinem Künstler- und seinem wahren Nachnamen Felsenheimer veröffentlicht hat. Das Hörbuch hat er persönlich zusammen mit der Radiomoderatorin Silke Super eingelesen. Ach ja, meine Rezension möchte ich übrigens Sascha widmen, der mir die Welt der Comics nahe gebracht hat und der mit mir bei den MTV Hardpop Days 2000 in Garbsen bei Hannover gewesen ist, bei denen Die Ärzte Headliner waren. Er hat heute Geburtstag… Am 25. Februar 2019 hatte Bela B.’s 416-seitiges Romandebüt Premiere, bei dem ich sehr froh und dankbar bin, dass er es zum Hörbuch gemacht hat. Erschienen ist Scharnow in der Hörfassung bei Random House Audio und in der Schriftform bei Heyne Hardcore.

Letzteres ist vor allem der sehr direkten Sprache zu verdanken, die er für die Schilderung der dortigen Geschehnisse verwendet. Einige der geschilderten Ereignisse sind zudem nicht ganz jugendfrei. Aber auch das macht den Charme dieser Geschichte aus. Oder soll ich besser sagen: Dieser Geschichten? Denn eigentlich sind es viele kleine Begebenheiten, die an einem bestimmten Tag X in diesem kleinen, fiktiven Ort in Brandenburg stattfinden. Geeint werden sie in erster Linie durch ein einzelnes Buch. Ein ganz besonderes Buch. Nämlich eins, was seine Leser umbringt. Immer dann, wenn einer der Charaktere dieses Buch in die Hände bekommt, lebt er nicht mehr lange. Ansonsten spielt noch ein türkischer Verkäufer in einem Kiosk, eine junge Dame, in die er sich verliebt, ein an Leukämie erkrankter fliegender Superheld und eine Gaunerbande, die den einzigen Supermarkt von Scharnow überfällt, eine nicht unwesentliche Rolle.

Bela B. hat zwar nach eigener Aussage etwas mehr als zwei Jahre gebraucht, um das Buch zu schreiben. Aber das, was er da zustande gebracht hat, das haut richtig rein. Ungefähr vergleichbar mit „Schrei nach Liebe“ nach fünf Jahren Bandpause der Ärzte. Die Geschichte besteht zwar aus vielen kleinen unabhängigen Einzelepisoden, aber das Konglomerat aus Allem ist grandios geworden. Eine comichaft auf die Spitze getriebene Liebeserklärung an seine eigene Kindheit und Jugend in Spandau. Viel wichtiger als eine durchgehende, übersichtliche Handlung sind hier vor allen Dingen die Typen, die nach und nach auf der Bildfläche erscheinen. Möglicherweise hat es den einen oder die andere Person tatsächlich einmal in ähnlicher Form gegeben. Zum Beispiel einen gewissen Jan Uwe, der mich verdächtig an Farin Urlaub (bürgerlich Jan Ulrich Max Vetter) erinnert hat.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Auch deshalb, weil es überhaupt nicht vergleichbar mit irgendetwas ist, was man im Moment sonst so auf dem Büchermarkt findet.

Ach ja – und Die Ärzte machen übrigens nach sieben Jahren Schaffenspause auch wieder zusammen Musik. Selbstverständlich gleich im ersten Song mit dem Vorschlag, dass die Menschheit zum Wohl der Tiere aussterben möge. Die Melodie des Liedes klingt für mich übrigens wie eine leicht beschleunigte Variante des Songs „Lost in Translation“ der norwegischen Elektro-Combo Apoptygma Berzerk aus dem Jahre 2005. Aber im Covern sind die Jungs aus Berlin ja sehr gut. Man denke nur an ihr Bangles-Cover „Geh’n wie ein Ägypter“ aus den Achtzigern. Außerdem ist der deutsche Text auch in diesem Falle wieder wesentlich besser.

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