Artikel

Wem kannst du noch trauen? Taylor Adams – No Exit. Diese Nacht überlebt Du nicht.


In den Bergen von Colorado gerät die junge Kunststudentin Darby Thorne kurz vor Weihnachten mit Blue, ihrem schon etwas betagten Honda Civic, in einen Schneesturm. Sie war auf dem Weg zu ihrem Zuhause in Utah, wo ihre krebskranke Mutter Maya gerade in eine Klinik eingeliefert wurde. Doch der Sturm macht ihr einen Strich durch die Rechnung und sie muss Zuflucht in einem Motel suchen. Im Gastraum des Motels haben noch vier weitere Personen Rettung vor dem Schnee und der eisigen Kälte gefunden. Drei Männer, einer davon schon recht alt und dessen etwa gleichaltrige Frau. Die beiden anderen um die 30 Jahre.

Darby macht sich noch einmal draußen auf die Suche nach einem möglichen Handysignal, um ihrer älteren Schwester eine SMS zu schicken. Sie sucht auch in der Nähe von ihrem Auto. Dabei führt sie ihr Weg über den Parkplatz an einem grauen Lieferwagen vorbei. Plötzlich erschreckt sie ganz furchtbar. Gegen die hintere Scheibe des Lieferwagens klatscht von innen eine zierliche, kleine Hand. Kurze Zeit später erscheint ein ängstliches Gesicht am Fenster. Es ist ein Kind, genauer gesagt ein kleines Mädchen, das ganz offensichtlich in dem Auto gefangen ist. Darby ist total durcheinander und kehrt erst einmal in den Gastraum zurück.

Dort beschließt sie, das Kind zu retten. Ashley, einer der beiden jungen Männer, soll ihr dabei helfen. Dieser soll Lars, den anderen jungen Mann und offensichtlich Besitzer des Wagens, außer Gefecht setzen. Doch schon kurze Zeit später wird ihr bewusst, dass dies keine gute Idee gewesen ist. Denn Ashley und Lars scheinen sich sehr gut zu kennen. Mehr noch, sie sind Brüder. Ohne es zu ahnen, hat sich Darby damit in Lebensgefahr begeben. Nun ist also nicht nur der Schnee zu einem immer größer werdenden Problem für sie geworden…

Taylor Adams ist mit No Exit (dt. Kein Ausweg) etwas gelungen, was noch nicht viele Autoren bei mir geschafft haben. Ich musste unbedingt wissen, wie die Geschichte ausgeht. So spannend und nervenaufreibend war die Handlung. Hörbuchsprecherin Britta Steffenhagen schafft es überdies, mit ihrer wandlungsfähigen Stimme die Spannung wunderbar aufrecht zu erhalten. Dieses bei Random House Audio erschienene Hörbuch und auch das bei Heyne erschienene Taschenbuch kann ich Euch nur wärmstens ans Herz legen. Genau die richtige Story für kalte Wintertage.

Artikel

Wenn das Verschwinden eines Menschen Licht ins Dunkel bringt: Sabine Kornbichler – Das Verstummen der Krähe

Es gibt einige Hörbücher, die schon seit längerer Zeit darauf gewartet hatten, von mir gehört zu werden. Manchmal sind auch einige wahre Schätze darunter. Beispielsweise das Hörbuch Das Verstummen der Krähe von Sabine Kornbichler. Erst, nachdem ich es nun vor ein paar Tagen gehört hatte, habe ich erfahren, dass es schon mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurde. Und das zu Recht, wie ich heute sagen kann.

Protagonistin dieser Geschichte ist die 28-jährige in einem Stadtteil von München lebende Nachlassverwalterin Kristina Mahlo. Sie hat ein ganz besonderes Wildtier zum Freund. Das ist eine Krähe, die sie Alfred genannt hat. Dieser Krähenmann kommt fast täglich zu ihr und holt sich ein Leckerchen in Form von einer Walnuss bei ihr ab. Darüber hinaus wohnt auch noch ihre Hündin Rosa bei ihr. Ihre Eltern sind ebenfalls nicht weit entfernt. Sie wohnen in der Nachbarschaft. Kristinas Freund Simon ist Weinhändler und lebt noch immer nicht mit ihr zusammen. Das hat mit ihrer familiären Vergangenheit zu tun. Denn vor einigen Jahren ist Kristinas zwei Jahre älterer Bruder Ben verschwunden. Niemand kann sagen, ob er überhaupt noch lebt.

Kristina ist innerlich noch immer auf der Suche nach ihm. Sie hofft immer noch, dass er irgendwann wieder auftauchen wird. Darüber hinaus widmet sie sich mit Hingabe ihre Arbeit. Doch als plötzlich ein Mann aus der Erbengemeinschaft ihres letzten Hinterbliebenenfalls auf mysteriöse Weise ums Leben kommt, wird ihr Spürsinn geweckt. Als darüber hinaus auch ans Licht kommt, dass es mit dem Verschwinden ihres Bruders zu tun haben könnte, begibt sich Kristina auf die Suche nach Spuren…

Sabine Kornbichler ist mit Kristina Mahlo eine ganz besondere Romanfigur gelungen. Sie wirkt äußerst menschlich und lebensnah. Hörbuchsprecherin Vanida Karun tut mit ihrer einnehmenden Intonation des Hörbuches dazu noch ein Übriges. Audible Studios haben die Romane allesamt als Hörbücher veröffentlicht. Mittlerweile sind drei davon erschienen.

Hörprobe

Kurz vor dem Erscheinen des zweiten Falls von Kristina Mahlo hat Autorin Sabine Kornbichler etwas zu ihrer Entstehung erzählt:

Artikel

Juristen leben oftmals gefährlich: Sabine Thiesler – Zeckenbiss

Lara Sennen, eine erfolgreiche Berliner Rechtsanwältin, macht, wie in jedem Jahr, mit ihrem Mann Bastian Urlaub in der Toskana. Er ist ein erfolgreicher Unternehmer, der nebenbei Polo spielt, auch in der Toskana. Sie beschäftigt sich vorrangig mit Jugendlichen, die straffällig geworden sind. Als Bastian wieder einmal in Italien ein Polospiel bestreitet, fährt sie mit. Dabei kommt Lara der Gedanke, doch in Italien ein Ferienhaus zu kaufen. Wie der Zufall es will, begegnet sie zufällig einem deutschen Makler, der in der Toskana Ferienhäuser feilbietet.

Zumindest behauptet er das. In Wirklichkeit führt er etwas ganz anderes im Schilde. Das bekommt Lara schmerzhaft hinterrücks zu spüren, als sie gerade ein Haus mit ihm besichtigt und die Aussicht genießt. Das Resultat daraus ist, dass sie stirbt. Genauso, wie ihr ergeht es einige Zeit später einem Richter aus Berlin. Er wird genau, wie Lara, erdrosselt. Hängen diese beiden Fälle zusammen? Und wenn ja, wie? Das erfährt der Hörer in Sabine Thieslers genialem Thriller Zeckenbiss, den die Autorin selbst als Hörbuch eingesprochen hat. (Was leider im Moment nicht mehr zu bekommen ist. Warum, das entzieht sich meiner Kenntnis.)

In Buch– und in ebook-Form ist er beim Heyne Verlag erschienen. Die Autorin spielt in ihrer Geschichte ebenso mit Klischees, wie mit malerischen Urlaubsbildern. Daraus setzt sich letztlich der spannende Plot zusammen. Eine ganz besondere persönliche Note bekommt der Thriller dadurch, dass sie ihn selbst vorträgt. Man merkt, das Sabine Thiesler in Berlin zusammen mit verschiedenen ausländischen Mitbürgern groß geworden ist und ein Faible für die Toskana hat.

Mir haben die Geschichte und das Hörbuch sehr gut gefallen. Es wäre schön, wenn es nicht das letzte Hörbuch wäre, was sie ihrem Publikum selbst vorträgt. (Vielleicht liest sie meinen Beitrag ja und fühlt sich dadurch ermuntert.)

Artikel

Die Leichtigkeit des Seins wird mit dieser Geschichte fassbar: Stephen King – Erhebung

Mit 14 Jahren wurde ich das erste Mal mit dem Werk von Stephen King konfrontiert. Damals lief bei uns im Kino gerade der Film „Friedhof der Kuscheltiere“ an. Schon, als ich im Fernsehen Ausschnitte davon sah, bekam ich Panik. Horror ist nämlich überhaupt nicht mein Genre. Darum habe ich seither sämtliche Bücher von Stephen King und auch Filme, die daraus entstanden, gemieden.

Heute bin ich 30 Jahre älter, habe in meinem Leben selbst auch schon einigen Horror durchlebt und hatte nun das Gefühl, dass es an der Zeit ist, auch einmal einem Hörbuch von Stephen King eine Chance zu geben. Außerdem machte mich das Cover von Erhebung irgendwie neugierig.

Vertont wurde das bei Heyne erschienene Buch bei Random House Audio von David Nathan, der mir seinerseits sogar das Telefonbuch vorlesen könnte; es wäre plötzlich spannend. Kein Wunder also, dass das Hörbuch grandios geworden ist. Zusammengefasst handelt es von Scott, einem Mann aus Castle Rock, der wie durch ein Wunder immer leichter und leichter wird. Wohin ihn das führt, das könnt Ihr Euch am besten selbst anhören.

Mir hat die dreieinhalbstündige Geschichte sehr gut gefallen. Glücklicherweise für mich war dieses Mal eher Spannung und Ungewissheit, als Horror im Spiel. Aber auch dieses Genre beherrscht Stephen King wahrlich meisterhaft. Mein Fazit: Es ist nie zu spät im Leben, jemandem eine Chance zu geben.

Artikel

Wenn eine Dreiecksbeziehung zum Verhängnis wird: Sarah Pinborough – Sie weiß von Dir

Die Mittdreißigerin Louise hat sich gerade von ihrem Ehemann Ian scheiden lassen. Der hat sich schon längst eine neue Partnerin gesucht. Den gemeinsamen Sohn Adam hat Louise mit in ihr neues Zuhause genommen. Nun ist die fortan alleinerziehende Mutter auf der Suche nach einem neuen Job als Arzthelferin. Den findet sie in der Praxis eines anerkannten Psychiaters und Psychotherapeuten.

Sie ist gerade mit sich und ihrem neuen Leben ins Reine gekommen, da lernt sie bei einem abendlichen Ausflug in ein Lokal einen sehr netten Mann kennen. Dieser stellt sich ihr als David vor. Was sie nicht ahnt: Es ist ihr neuer Chef. Den hatte sie bislang bei der Arbeit noch nicht zu Gesicht bekommen. Was sie außerdem nicht weiß: Er ist schon lange mit der ansehlichen, aber psychisch etwas labilen Adele verheiratet. Was er zudem nicht weiß: Adele spioniert ihm nach und hat durchaus das Aufeinandertreffen von ihm und Louise bemerkt.

Adele beschließt daraufhin, sich mit Louise anzufreunden. Das gelingt der hübschen Frau auch ohne Weiteres. Die ein wenig korpulente Louise ist sogar sehr froh darüber, dass ihre neue beste Freundin sie zum Fitnesskurs mitnimmt. Von dem gemeinsamen Mann in ihrem Leben ahnt sie noch nichts. Wie wird David sich zukünftig verhalten? Wird er zu Adele zurückkehren und Louise den Laufpass geben? Oder wird er lieber eine neue Beziehung mit Louise eingehen? Wie wird Adele sich verhalten? Und was wird aus Adam? Hat die Geschichte gar noch einen tragischen Verlauf?

Antworten auf diese Fragen ergeben sich aus dem weiteren Geschehen des Thrillers Sie weiß von Dir von der englischen Autorin Sarah Pinborough. Erschienen als Buch bei Rowohlt und als Hörbuch bei DAV. Mir hat das Hörbuch sehr gut gefallen. Auch deshalb, weil die Handlung aus verschiedenen Perspektiven geschrieben ist und im Hörbuch grandios dargestellt wird von Rike Schmid (Louise), Maria Koschny (Adele) und Simon Jäger (David). Das macht die ganze Sache nochmal deutlich spannender. Darum eine klare Hörempfehlung von mir.

Liebe Grüße an Irina und Lenja in Bad Nenndorf. Ihr Zwei habt mir meinen Mut, meinen Tatendrang und den Glauben an mein eigenes Können zurückgegeben. Dafür danke ich Euch ganz herzlich! Genauso wie für diesen tollen Hörbuchtipp.

Artikel

Warum musste der Prediger sterben? John Grisham – Das Bekenntnis

1946, Clenton, Ford County, Mississippi, USA: Der Großgrundbesitzer und Kriegsveteran Pete Benning erschießt eines Morgens den Methodisten Prediger Dexter Bell in seinem Büro. Anschließend lässt er sich wortlos vom ortsansässigen Sheriff festnehmen. Da seine Frau Liza einige Zeit zuvor aufgrund eines unbekannten psychischen Leidens in die örtliche Psychiatrie eingeliefert wurde, obliegt es nun seiner Schwester Flori Benning, die Geschäfte am laufen zu halten.

Weder die Angestellten der Bennings, noch hohe Würdenträger aus dem Ort können sich das Verhalten des Farmers erklären. Da zu dieser Zeit in Mississippi Mord noch immer mit dem Tod bestraft wird, muss rasch etwas geschehen, damit die Sache zugunsten Bennings aufgeklärt wird. Bennings Sohn Joel, der ohne das Einverständnis des Vaters von seinem College nach Hause zurückgekehrt ist, macht sich gemeinsam mit seiner Tante Flori auf die Suche nach den Gründen für die Tat.

Dabei fragen sich die beiden immer wieder, weshalb Joels Mutter Liza ausgerechnet jetzt in der Psychiatrie landen musste. Gibt es vielleicht auch dafür eine Erklärung, die mit Petes merkwürdiger Tat zu tun hat? Könnte es vielleicht sein, dass Liza während der kriegsbedingten Abwesenheit von Pete mit Reverent Bell ein Verhältnis hatte und dass Pete den beiden auf die Schliche gekommen ist? Fragen über Fragen, für die eine Antwort gefunden werden muss. Schließlich steht schon ein erstes Treffen der Geschworenen des Countys bezüglich des Mordfalls bevor…

Ich muss gestehen, ich habe bislang die Hörbücher von John Grisham immer gemieden. Nicht, weil ich sie langweilig fand, sondern weil ich vor gerichtlichen Themen immer ziemlich viel Respekt hatte. Auf Das Bekenntnis allerdings hat mich mein Vater gebracht, der selber lieber liest, statt hört. Der meinte erstens, dass das Thema ziemlich spannend sei und zweitens, dass dabei weniger ein Gericht, sondern vielmehr eine menschliche Tragödie im Vordergrund stehe. Da ich auch selbst schon einige Tragödien in meinem Leben erlebt habe, hat mich die Thematik wirklich neugierig gemacht. Jetzt kann ich sagen, dass ich nicht enttäuscht wurde. John Grishams wunderbare Erzählweise und Charles Brauers schöne stimmliche Klangfarbe haben es mir leicht gemacht, auch 20 Stunden Hörbuch durchzuhalten.

Das Buch ist bei Heyne als Hardcover erscheinen und das Hörbuch auf CD oder als Download bei Random House Audio.

 

Artikel

Herrlich durchgeknallt, fast wie ein Hardcorecomic aus dem Hause EEE: Bela B. Felsenheimer – Scharnow

Dass Farin Urlaub schon mehrere umfangreiche Fotobände von seinen Reisen veröffentlicht und sein Bandkollege Rodrigo kürzlich eine Dokumentation über die Musik in seiner Heimat Chile gedreht hat dürfte echten Fans der Ärzte geläufig sein. Auch, dass Bela B. bis vor Kurzem sein eigenes Comic Label betrieben und im vergangenen Jahr ein Live Hörspiel mit dem Titel Sartana – noch warm und schon Sand drauf auf die Bühne gebracht hat, weiß man einfach als Fan der „besten Band der Welt“. Richtig gespannt bin ich derzeit auf den Ausgang des Buchstabenrätsels auf ihrer Homepage. Dabei tippe ich mittlerweile auf das Wort ABSTRAKT, kann aber nicht erklären, warum.

In der Zwischenzeit werde ich jetzt erst einmal Bela B.’s Debütroman Scharnow rezensieren, den er unter seinem Künstler- und seinem wahren Nachnamen Felsenheimer veröffentlicht hat. Das Hörbuch hat er persönlich zusammen mit der Radiomoderatorin Silke Super eingelesen. Ach ja, meine Rezension möchte ich übrigens Sascha widmen, der mir die Welt der Comics nahe gebracht hat und der mit mir bei den MTV Hardpop Days 2000 in Garbsen bei Hannover gewesen ist, bei denen Die Ärzte Headliner waren. Er hat heute Geburtstag… Am 25. Februar 2019 hatte Bela B.’s 416-seitiges Romandebüt Premiere, bei dem ich sehr froh und dankbar bin, dass er es zum Hörbuch gemacht hat. Erschienen ist Scharnow in der Hörfassung bei Random House Audio und in der Schriftform bei Heyne Hardcore.

Letzteres ist vor allem der sehr direkten Sprache zu verdanken, die er für die Schilderung der dortigen Geschehnisse verwendet. Einige der geschilderten Ereignisse sind zudem nicht ganz jugendfrei. Aber auch das macht den Charme dieser Geschichte aus. Oder soll ich besser sagen: Dieser Geschichten? Denn eigentlich sind es viele kleine Begebenheiten, die an einem bestimmten Tag X in diesem kleinen, fiktiven Ort in Brandenburg stattfinden. Geeint werden sie in erster Linie durch ein einzelnes Buch. Ein ganz besonderes Buch. Nämlich eins, was seine Leser umbringt. Immer dann, wenn einer der Charaktere dieses Buch in die Hände bekommt, lebt er nicht mehr lange. Ansonsten spielt noch ein türkischer Verkäufer in einem Kiosk, eine junge Dame, in die er sich verliebt, ein an Leukämie erkrankter fliegender Superheld und eine Gaunerbande, die den einzigen Supermarkt von Scharnow überfällt, eine nicht unwesentliche Rolle.

Bela B. hat zwar nach eigener Aussage etwas mehr als zwei Jahre gebraucht, um das Buch zu schreiben. Aber das, was er da zustande gebracht hat, das haut richtig rein. Ungefähr vergleichbar mit „Schrei nach Liebe“ nach fünf Jahren Bandpause der Ärzte. Die Geschichte besteht zwar aus vielen kleinen unabhängigen Einzelepisoden, aber das Konglomerat aus Allem ist grandios geworden. Eine comichaft auf die Spitze getriebene Liebeserklärung an seine eigene Kindheit und Jugend in Spandau. Viel wichtiger als eine durchgehende, übersichtliche Handlung sind hier vor allen Dingen die Typen, die nach und nach auf der Bildfläche erscheinen. Möglicherweise hat es den einen oder die andere Person tatsächlich einmal in ähnlicher Form gegeben. Zum Beispiel einen gewissen Jan Uwe, der mich verdächtig an Farin Urlaub (bürgerlich Jan Ulrich Max Vetter) erinnert hat.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Auch deshalb, weil es überhaupt nicht vergleichbar mit irgendetwas ist, was man im Moment sonst so auf dem Büchermarkt findet.

Ach ja – und Die Ärzte machen übrigens nach sieben Jahren Schaffenspause auch wieder zusammen Musik. Selbstverständlich gleich im ersten Song mit dem Vorschlag, dass die Menschheit zum Wohl der Tiere aussterben möge. Die Melodie des Liedes klingt für mich übrigens wie eine leicht beschleunigte Variante des Songs „Lost in Translation“ der norwegischen Elektro-Combo Apoptygma Berzerk aus dem Jahre 2005. Aber im Covern sind die Jungs aus Berlin ja sehr gut. Man denke nur an ihr Bangles-Cover „Geh’n wie ein Ägypter“ aus den Achtzigern. Außerdem ist der deutsche Text auch in diesem Falle wieder wesentlich besser.

Artikel

Eine bitterböse satirische Auseinandersetzung mit Europas Flüchtlingskrise: Timur Vermes – Die Hungrigen und die Satten

Timur Vermes hat mit Die Hungrigen und die Satten (erschienen bei Lübbe und Lübbe Audio) eine ganz besondere Satire auf die Flüchtlingskrise geschrieben. Der Autor von Er ist wieder da hat sich die Frage gestellt, was wohl passieren würde, wenn ein Fernsehteam des deutschen Privatfernsehens nach Afrika führe und dort sein bekanntestes Reality-TV-Gesicht eine Reportage über die Flüchtlinge drehen ließe. Die fiktive weibliche Hauptperson der Reportagereise heißt Nadesch Hackenbusch und ist eine ungefähre Mischung aus Margarete Schreinemakers, Vera Int-Veen und Verona Feldbusch. Für die Fernsehzuschauer ist sie „Der Engel im Elend – Sie geht dahin, wo es besonders weh tut“.

So ist sie auch mit ihrem Team an die Grenze Europas gereist und wird dort herzlich von den vielen Flüchtigen empfangen, die ihrerseits darauf warten, dass Europa ebendiese Grenze wieder öffnet. Gerade zu der Zeit, in der Frau Hackenbusch an der Grenze aufkreuzt, ist diese nämlich geschlossen. Denn Europa hat Angst vor den Flüchtlingen, die nun in einem großen Camp ihr Dasein fristen. Vor allem vor denjenigen, die nur deswegen kommen, weil in ihrem eigenen Land Hunger und Elend herrschen. Darum hoffen sie natürlich auf ein besseres Leben in Europa. Europa hat jedoch schon lange vergessen, dass es auch selbst einen großen Anteil an dem Elend der Menschen in Afrika hat. Nadesch Hackenbusch krempelt zunächst einmal die Ärmel hoch, um der örtlichen Krankenstation im Lager unter die Arme zu greifen.

Einer der Flüchtlinge fungiert als Übersetzer und zeigt auch sonst reges Interesse an der Dame aus Deutschland. Sie nennt ihn der Einfachheit halber Lionel und ist auch sonst ziemlich angetan von dem Mann. Das wiederum gefällt weder den Mitarbeitern ihres Teams, noch dem Sender in Deutschland, für den sie arbeitet. Darüber hinaus ist auch die deutsche Politik auf die Hackenbusch aufmerksam geworden. Denn ihre mittlerweile täglich ausgestrahlte Reportage aus dem Flüchtlingscamp hat sich zu einem echten Quoten-Hit entwickelt. Sogar im deutschen Innenministerium hat man mittlerweile Wind von der Sache bekommen…

Mir haben sowohl Buch, Hörbuch, als auch Download (exklusiv von Audible) vor allem deswegen gut gefallen, weil A. die Geschichte originell ist, B. das Hörbuch grandios von Christoph Maria Herbst dargeboten wird und C. Timur Vermes sich mit dieser Satire im Vergleich zu seinem ersten Buch noch einmal selbst übertroffen hat. Ich bin schon jetzt sehr gespannt darauf, was ihm als Nächstes einfallen wird. Vielleicht eine Persiflage über das Gerangel dreier Kandidaten um die Nachfolge von Frau Merkel auf den CDU-Vorsitz, wie wir es bis gestern erleben durften. Ich lass mich jedenfalls überraschen.

Artikel

Wenn ein ganzes Land ausstirbt…: Wieland Wagner – Japan. Abstieg in Würde

Japan, das Land der Demenz. Klingt merkwürdig? Ist aber so. Das Land von Sony und Mitsubishi, der Samurai und des Karatesports, der weltbekannten superleckeren Sushi und der kunstvoll gefalteten Origami Exponate. Dieses Land leidet schon seit geraumer Zeit an Überalterung. Während bei uns immer mehr der Pflegenotstand ausgerufen wird, setzt man in Japan bereits seit ein paar Jahren mehr und mehr auf Technik statt Menschen als Pflegehelfer. In dieser Hinsicht ist das Land tatsächlich noch immer vorbildlich. Denn wo immer mehr Menschen fehlen, da muss die Technik die Pflege übernehmen.

Bei jungen Leuten sieht es in anderer Hinsicht auch nicht gerade rosig aus. Viele junge Männer auf dem Land oder in den Randbereichen der Großstädte finden einfach keine Frau und ziehen sich darum häufig in ihr Jugendzimmer im Elternhaus zurück oder widmen sich nur noch einzig und allein ihrem Arbeitsplatz. Damit tragen Sie indirekt quasi immer mehr dazu bei, dass das Land ausstirbt. Denn wo keine Familien gegründet werden, da gibt es auch keinen Nachwuchs. Also mutieren auf dem Land auch immer mehr Kleinstädte oder Dörfer zu Geisterstädten oder schlichtweg verlassenen Häuseransammlungen.

Seit dem 11.März 2011 hat sich zudem nicht nur für die Einwohner des kleinen Dörfchens Fukushima viel verändert. Seit dem SuperGAU an jenem geschichtsträchtigen Tag im gleichnamigen Atomkraftwerk ist nicht nur der Betreiber Tepco in finanzielle Schwierigkeiten gekommen. Auch Elektronikkonzerne, von denen man das eigentlich gar nicht sofort denkt, wie zum Beispiel Toshiba oder auch Sony, sind in Bedrängnis geraten. Schuld ist die von ihnen hergestellte Halbleiterelektronik, die auch in Fukushima verwendet wurde. Japan war einst der weltgrößte Hersteller von Halbleiterelektronik. Das ist allerdings schon lange nicht mehr so, nicht erst seit Fukushima. Aber der SuperGAU hatte durchaus mehr Einfluss auf den ohnehin schon begonnenen Niedergang, als man es zunächst annimmt.

Buchautor und Spiegel-Asien-Korrespondent Wieland Wagner schildert in seinem bei DVA erschienenen Spiegel Buch und ebook Japan – Abstieg in Würde (auch erschienen als Hörbuch im John Verlag, gelesen von Mark Bremer) auf präzise Art und Weise, wie sich das Land, in dem er lange Zeit gelebt hat, sehr zu seinem Nachteil verändert hat. Japan war, vor allem im Bereich der Unterhaltungselektronik, jahrelang führender Anbieter in der Welt. Heute kämpft es mit Überalterung und Nachwuchsmangel. Ein Zustand, der auch Deutschland erreichen könnte, wenn wir nicht gut genug aufpassen. Ich für meinen Teil hoffe wirklich, dass das Land der aufgehenden Sonne noch einmal die Kurve kriegen wird. Das hoffe ich nicht nur als Fan des heiligen Berges Fujiyama, der schon seit Jahren auf einem Poster bei mir über’m Bett hängt. Sondern auch, weil dieses Land mit seiner Jahrtausende alten Kultur einfach nicht untergehen darf.

Leseprobe

Hörprobe