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Kleiner Polizist mit großem Auftrag: Klaus-Peter Wolf – Rupert Undercover

Bei der Kripo in der ostfriesischen Stadt Norden herrscht im Team von Hauptkommissarin Ann-Kathrin Klassen helle Aufregung. Nun soll endlich Kommissar Ruperts Probe aufs Exempel für seinen langersehnten Gang zum BKA stattfinden. Er ist nämlich der so gut wie perfekte Doppelgänger von Frederico Müller-Gonzales, einer Unterweltgröße im Drogenmilieu. Diesen Dealerboss hat das BKA kürzlich einkassiert. Nun soll Rupert ihn vor dessen Schergen vertreten. Damit will das BKA die ganze Bande auf einmal hochgehen lassen.

Kriminaldirektorin Liane Brennecke ist damit beauftragt, Rupert abzuholen und in seinen neuen Job einzuweisen. Rupert freut sich wie ein kleiner Junge, denn ausgerechnet an seinem Geburtstag geht sein seit Kindheitstagen gehegter Wunsch in Erfüllung. Doch für seinen Job muss er zunächst einmal in kürzester Zeit 10 Kilo zulegen, zum Vegetarier werden und dazu noch zum Weinkenner. Denn das gehört zum Charakter von Frederico Müller-Gonzalez dazu. Auch in Sachen bildender Kunst und in unterschiedlichen Sprachen muss er Kenntnisse erlangen, und dass möglichst schnell.

Keine leichte Aufgabe für den Sunny Boy unter den Nordener Polizisten. Aber er wagt es trotzdem. Wie er seine Aufgabe meistert und ob die Schergen aus der Unterwelt ihm auf den Leim gehen, das erfahrt Ihr, wenn Ihr in das, ebenso, wie die Sommerfeldt Triologie der letzten drei Jahre, von Klaus-Peter Wolf erneut als Sommerkomödie angelegte, Hörbuch Rupert Undercover, erschienen bei Goya Lit, hineinhört. Natürlich hat der Autor es sich auch dieses Mal nicht nehmen lassen, den Text selbst vorzutragen. Auch seine Frau, Bettina Göschl, hat dieses Mal mit einer wunderschönen einleitenden Titelmusik zum Hörbuch beigetragen.

Mich wundert es, ehrlich gesagt, nicht, dass Klaus-Peter Wolfs Fangemeinde immer größer wird. Die Kriminalfälle, die er sich ausdenkt, sind ebenso spannend, wie die Charaktere, die darin verwickelt sind. Außerdem zeigt er immer wieder, wie humorvoll auch die Norddeutschen, hier vor allem die Ostfriesen, sein können. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall aus seiner Feder.

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Alles andere, als tottraurig: Richard Roper – Das Beste kommt noch

Der melancholische Andrew Smith ist Angestellter bei der Nachlassverwaltungsbehörde eines Londoner Stadtteils. Beim Bewerbungsgespräch dazu hatte er gegenüber seinem Chef Cameron über sich berichtet, er sei Vater von zwei Kindern und glücklich mit seiner Frau Dianne verheiratet. Außerdem würde ihm seine zukünftige Tätigkeit aufgrund des Nutzens für die Menschen viel Freude bereiten. Nichts davon stimmte.

In Wahrheit ist Andrew Single und lebt allein – ähnlich, wie viele seiner verstorbenen Kunden. Er beschäftigt sich dafür ausgiebig mit seinem Hobby Modelleisenbahnen und tauscht sich gern mit anderen Eisenbahnliebhabern in einem Forum im Internet aus. Über seine fiktive Familie erfindet er im Laufe der Zeit gegenüber seinem Chef und den Kollegen immer neue Geschichten. So hält er seine Lüge aufrecht. Bis seine neue Kollegin Peggy bei ihm im Büro anfängt. Schon während der Einarbeitung bemerkt er, dass sie ihm gefällt. Doch leider ist die temperamentvolle Rothaarige verheiratet und denkt auch dasselbe von ihm. Dennoch versucht er sein Glück bei ihr, denn ein solcher Mensch wird ihm so schnell nicht wieder begegnen…

Irgendwie haben mich Andrews Lügengeschichten an etwas erinnert, was mir selbst vor etwas mehr als 15 Jahren widerfahren ist. Jemand, bei dem ich glaubte, ihn sehr gut zu kennen, hat sich im Nachhinein als riesengroßer Lügenbold herausgestellt. Meine Geschichte ging damals darum auch nicht so gut aus, wie die romantische Liebesgeschichte von Richard Roper es vermutlich tun wird. Ich will Euch natürlich nicht zu viel davon verraten.

Als Hörbuchinterpret hat sich, nach meinem Empfinden, Matthias Matschke als echter Glücksfall herausgestellt. Denn er versteht es hervorragend, die leisen humorvollen Zwischentöne aus der Geschichte heraus zu kitzeln. Das Beste kommt noch ist im Argon Verlag erschienen und als romantische Komödie fürs Wochenende (oder in der Corona Zwangspause) wärmstens zu empfehlen.

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Wenn aus Freundschaft Besessenheit wird: Elisabeth Kay – Sieben Lügen

Was heißt es, von einem Menschen ganz und gar besessen zu sein? Wenn ein Mensch glaubt, ein anderer gehöre ihm. Wenn es sich dabei nicht mal um Mann und Frau handelt, sondern nur um beste Freundinnen. Dann könnte es sich dabei um den Roman Sieben Lügen von Elisabeth Kay handeln. Denn in diesem Roman erzählt Jane einer imaginären dritten Person von ihrem einmalig guten Verhältnis zu ihrer besten Freundin Marnie. Und von ihrer Eifersucht gegenüber Marnies Vorlobtem Charles, den sie von ganzem Herzen hasst und am liebsten umbringen möchte.

Er ist in dieser Hinsicht noch nicht mal der Einzige. Vor Charles hatte Marnie schon einige Freunde, die Jane wortlos aus ihrer Welt herausgeschafft hatte, ohne ihnen dabei auch nur ein Haar zu krümmen. Einfach, indem sie mit List und Tücke vorgegangen war. Charles allerdings gibt Jane auch mehr, als einmal die Gelegenheit dazu, ihn voll und ganz abzulehnen. Zur Hochzeit möchte er beispielsweise seine Mutter nicht dabei haben, weil sie krebskrank ist und er kranke Menschen hasst. Am Abend der Hochzeit fasst er Jane mit voller Absicht an die Brust. Natürlich ohne, dass Marnie es merkt.

Seine Wichtigtuerei vor Fremden mit seinen Erfolgen tut dazu noch ein Übriges. Jane sinnt nach Charles‘ Grabschereien auf eine Möglichkeit, diesen absolut verhassten Menschen ein für alle Male aus dem Verkehr zu ziehen. Schließlich ist Marnie IHRE Freundin und das soll auch so bleiben…

Um es gleich vorweg zu sagen: Elisabeth Kay ist mit ihrem bei Lübbe Audio erschienenen Hörbuch Sieben Lügen (brillant gelesen von Britta Steffenhagen) kein wirklicher Thriller, wohl aber eine interessante Persönlichkeitsstudie der Protagonistin Jane gelungen. Diese leidet ganz offensichtlich an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Das heißt, sie möchte ihre beste Freundin Marnie ganz für sich allein besitzen. Dabei stören andere Menschen natürlich vollends. Dass sie dabei noch nicht einmal vor einem Mord an Marnies Ehemann zurückgeschrecken will, ist ein weiteres Indiz für ihre krankhafte Weltsicht.

Mir hat bei dem gesamten Hörbuch zwar ein wenig die Spannung gefehlt, aber dafür bekam man Einblick in die Gedankenwelt eines oftmals nur heimlich agierenden besitzergreifenden Menschen, die sonst zumeist im Verborgenen bleibt. Das hat mir wiederum sehr gut gefallen.

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Der Auftakt einer zweiten „Millenium-Triologie“: Linus Geschke – Tannenstein


Fast 15 Jahre nach der Veröffentlichung von Verblendung, dem ersten Hörbuch der Millennium Triologie von Stieg Larsson, ist nun in Deutschland ein wahrlich ebenbürtiges Werk erschienen. Der aus Köln stammende Autor trägt den Namen Linus Geschke, ist wie Larsson ebenfalls Journalist und das erste Hörbuch seiner von Audible Studios vertonen Triologie ist betitelt mit dem Namen Tannenstein.

Die Hauptfigur ist, anders als bei Larsson, ein normalerweise beim LKA Berlin tätiger Polizist namens Alexander Born. Er bekommt in seinem ersten Fall bereits jede Menge zu tun. Fünf Jahre bevor er überhaupt tätig wird ist in dem kleinen sächsischen Dorf Tannenstein, gelegen unweit der tschechischen Grenze, ein Wanderer in einer zum Ort gehörenden Herberge untergekommen. Dieser Mann, der sich niemandem vorstellt, lebt fast ein ganzes Jahr unauffällig mit den Dorfbewohnern im Ort zusammen. Dann betritt er 2013 plötzlich eines Abends die örtliche Gastwirtschaft und erschießt dort elf Gäste. Unter ihnen befindet sich Lydia, ebenfalls Polizistin und die ehemalige Geliebte Borns, der zu dieser Zeit in einer JVA aufgrund von Drogenhandel einsitzt.

Offensichtlich möchte der Täter gefunden werden, denn er sendet Alexander Born jedes Jahr am Jahrestag einen Zettel mit der Aufschrift Tannenstein ins Gefängnis. Nachdem Born 2017 von dort frei kommt bittet er seinen Chef beim LKA Berlin, nach Tannenstein versetzt zu werden. Denn er möchte Lydias Mörder finden. Hilfe bekommt er dabei von Nora Bernsen. Sie ist ebenfalls beim LKA tätig und ein Ass in Sachen Recherche. Sie findet schnell heraus, das der Fall irgendetwas mit der russischen Mafia zu tun hat. Als Born daraufhin seinen russischen Gefängnis-Kumpel Dimitri interviewt, fällt immer wieder der Name Wladimir Kosslov. Der soll in Mafia-Kreisen ein hohes Tier sein. Was er jedoch mit dem Wanderer zu tun hat, das muss Born erst noch herausfinden…

Ich habe in den letzten Jahren ja schon viele Kriminalromane gehört, aber so sehr überrascht hat mich noch keiner. Das fängt schon an mit der fast wie selbstverständlich ausgeführten Tat des Wanderers. Auch die Methoden, mit denen Born und Bernsen ermitteln, sind alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Geschke hat für seinen Roman in jedwede Richtung sehr gut recherchiert. Darüber hinaus schafft er es durch seinen wunderbar nüchternen Schreibstil, seine Hörer an die Geschichte zu fesseln. Unterstützung bekommt er dabei von Hörbuchsprecher Peter Lontzek, der das Ganze auf grandiose Weise vorträgt. Mir hat das Hörbuch richtig gut gefallen und ich bin schon sehr gespannt auf den zweiten Teil, der Finsterthal heißt und kürzlich erschienen ist. Nur auf den dritten Teil der Born- Triologie müssen gespannte Hörer noch bis zum Januar 2021 warten.

Hörprobe

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Spionageermittlungen im deutschen Dreikaiserjahr: Axel Simon – Eisenblut

Als großer Fan des besten Hörbuchinterpreten, den die deutsche Audiobuchverlagslandschaft derzeit zu bieten hat, möchte ich gerne auf ein weiteres Leseprojekt von David Nathan eingehen. Dabei handelt es sich diesmal um etwas ganz Besonderes, nämlich einen historischen Spionage Krimi, der im deutschen Dreikaiserjahr 1888 in Berlin verortet wurde und im Argon Verlag erschienen ist.

Die Hauptrolle dabei spielt der verarmte ostpreußische Getreidejunker-Sohn Gabriel Landow und sein Helfer, der ehemalige Zikus-Trapezkünstler und mittlerweile einarmige Orsini. Beide sollen sich im Auftrag der Regierung auf die Suche nach dem Mörder dreier Staatsbediensteter machen, der immer noch nicht gefunden wurde. Hinter den Morden wird Spionage vermutet. Da Kaiser Friedrich III., Sohn Wilhelms I., mit Kehlkopfkrebs im Sterben liegt, wird vermutet, dass ausländische Kräfte bei seinem Tod noch ein wenig nachhelfen wollen.

Landow und Orsini machen sich, unabhängig voneinander, auf die Suche nach möglichen Verdächtigen. Dabei geraten sie, das eine oder andere Mal, in gefährliche Situationen, bei denen auch ihr Leben auf dem Spiel steht. Wird es ihnen gelingen, den Attentäter zu finden? Das müsst Ihr schon selbst beim Lauschen das elfeinhalbstündigen Argon-Hörbuches Eisenblut herausfinden.

Autor Axel Simon war in seinem Leben schon recht vielseitig unterwegs. Er hat Opern inszeniert und in einer Werbeagentur als Creative Director gearbeitet. Nun ist er unter die Autoren historischer Romane gegangen. Seinem Schreibstil merkt man jedoch auch seinen früheren Beruf als Werber deutlich an. Mit einer wunderbar bunten und lebendigen Ausdrucksweise bringt er selbst dem größten Geschichtsmuffel diese spannende Zeit in der deutschen Historie nahe.

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Der Lebensweg eines Unheil bringenden Matrosen: Sabine Thiesler – Versunken

Dieser Thriller von Sabine Thiesler ist zwar schon ein paar Jahre alt, aber nachdem ich Zeckenbiss von ihr wahrlich genossen hatte, musste ich ihn einfach hören. Außerdem wird die spannende Handlung dieses Mal von David Nathan gelesen. Also konnte ich mit dem Hörbuch wirklich gar nichts falsch machen. Wie bei fast allen Erzählungen aus Sabine Thieslers Feder findet auch hier ein Großteil der Geschichte rund ums Mittelmeer statt und der italienische Inspektor Neri ist ebenfalls wieder mit von der Partie.

Alles beginnt jedoch an der deutschen Nordseeküste. Hier lebt der kleine Malte zusammen mit seinen Eltern in einem etwas abgelegenen Haus hinterm Deich. Schon früh liebt er es, zusammen mit einem mit der Familie befreundeten Fischer nach draußen auf die See zu fahren und dessen Netze einzuholen. Als er sieben Jahre alt ist, kehren die Eltern eines Abends von einer Einkaufstour nicht mehr nach Hause zurück. Sie hatten mit ihrem Auto einen Unfall, bei dem der Wagen in einen See gestürzt ist und beide jämmerlich ertrunken sind.

Nun ändert sich Maltes Leben drastisch. Das Jugendamt sprich das Sorgerecht für ihn seiner Tante zu, die in einem Hamburger Hochhaus lebt. Sie ist Arzthelferin und arbeitet meist bis zum späten Abend. Fortan muss er bei ihr in ihrer beengten kleinen Zweizimmerwohnung aufwachsen. Dabei wird er nicht nur von ihr, sondern auch von Mitschülern gedemütigt. Als er 18 Jahre alt wird, entflieht er der Enge des Hochhauses und rächt sich zuvor an seiner Tante.

Auf einem Binnenschiff lernt er dann das Handwerk des Matrosen. Danach fährt er zur See. Auf einem Containerfrachter provoziert er dabei einen Streit mit einem Chinesen. Vor diesem Mann und dessen Gefolgschaft muss er schon in Kürze fliehen. Das Schiff befindet sich zu diesem Zeitpunkt gerade vor der Insel Korsika im Mittelmeer. Malte kann sich retten und lernt schon kurze Zeit später an Land den deutschen, ehemaligen Unternehmer Werner Faenzi kennen. Dieser ankert dort mit seiner Yacht Aurora.

Malte bietet ihm seine Hilfe an. Werner, der auf seine Frau Vivian, eine in Nizza tätige Kostümbildnerin, wartet, nimmt die Hilfe gerne an, ohne zu wissen, was für einen Matrosen er sich da an Bord geholt hat. Denn auch Malte würde gerne einmal ein Schiff, wie die Aurora besitzen. Außerdem hat er auch sonst schon so einiges auf dem Kerbholz, von dem der Schiffseigentümer nicht das Geringste ahnt…

Sollte ich es in meinem Leben noch einmal schaffen, ein Buch zu schreiben, dann werde ich mir diese Autorin zum Vorbild nehmen. Sabine Thiesler ist eine grandiose Erzählerin, bei deren Geschichten man einfach nur voller Faszination dran bleiben will, weil sie einfach in jeglicher Hinsicht spannend sind. Außerdem schafft sie es, vielschichtige Charaktere zu erschaffen, die ganz nah am wahren Leben dran sind. Bei Malte fühlte es sich für mich an, als wäre ich mit ihm durchs Leben gegangen.

Auch Thieslers Schilderungen der italienischen Häfen sind schon alleine des Hörens wert. Sogar die Ehekräche des ermitteln Inspektors Neri haben hohen Unterhaltungswert. Ich freue mich schon auf Ihr nächstes Hörbuch, das sie auch gerne wieder selbst einlesen darf. Denn, dass David Nathan spannende Hörbücher, wie Versunken (erschienen bei Lübbe Audio) mit seiner Stimme erschaffen kann, das weiß man ohnehin sehr schnell, wenn man Hörbuchfan ist.

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Herrlich skurrile Geschichten aus dem wahren Leben: T. C. Boyle – Sind wir nicht Menschen


T. C. Boyle ist mir schon seit längerer Zeit ein Begriff. Als ich vor einiger Zeit angefangen habe, über Hörbücher zu schreiben, habe ich schon des Öfteren einmal ein Werk von ihm in den Händen gehalten. Aber, genau wie bei King und Grisham, habe ich mich nie dran gewagt. Das soll sich nun mit seiner neuen Short-Story Sammlung Sind wir nicht Menschen ändern, auf Deutsch erschienen im Hörverlag und wunderbar dargeboten von Schauspieler Florian Lukas und von Boyle selbst auf Amerikanisch. Wie der Pressetext verrät, haben die Zuhörer es hier sogar mit Kurzgeschichten aus der Feder des Meisters der American Short Story zu tun.

Und das ist nicht übertrieben. So ist mir die Story Der Beauftragte sofort im Gedächtnis hängen geblieben. Dabei geht es um einen alternden amerikanischen Lehrer, der eines schönen Tages von einer britischen Bank mit Anrufen bombardiert wird. Er soll an Stelle eines Verstorbenen eine ziemlich große Erbschaft antreten. Zur Absegnung der ganzen Sache soll er jedoch erst einmal nach England fliegen. Was dann aus der ganzen Angelegenheit wird, erfahrt Ihr, wenn Ihr in das Hörbuch rein hört…

Außer dieser Geschichte findet ihr in der Geschichtensammlung ganze 18 neue Short Stories aus der Feder des Meisters, unter anderem über genmanipulierte perfekte Kinder und außerdem über Klavier spielende Mehrschweinchen. Mir haben sie alle sehr gut gefallen. Ich denke, T. C. Boyle hat in mir einen neuen Fan gefunden.

Hörprobe

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Traurig und komisch zugleich: Antti Tuomainen – Die letzten Meter bis zum Friedhof

Was verbinde ich mit Finnland? Nun, zunächst mal: Geniale Rockmusik! Als da wären HIM, Nightwish und The Rasmus. Seit einem der letzten Eurovision Song Conteste auch Lordi. Und natürlich Sunrise Avenue. Von Finnlands Buchautoren war mir bislang nur Arto Paasilinna bekannt. Dessen bekannteste Werke hat Jürgen von der Lippe für den Lübbe Audio Verlag genial auf Deutsch eingelesen. In Sachen Romankreateure kann ich nun auch Antti Tuomainen dazu zählen. Seinen wunderbar komischen, absurden Roman Die letzten Meter bis zum Friedhof möchte ich hier in dieser Rezension etwas genauer betrachten.

In der Geschichte geht es um den 37-jährigen Jaakko, der gemeinsam mit seiner Frau Taaina in dem kleinen Städtchen Hamina ein Speisepilzvertriebsunternehmen betreibt. Die von ihnen vertriebenen Pilze heißen Matsutake, sind DER Verkaufsschlager in Japan; wachsen allerdings vorwiegend in Finnland. Weil er sich irgendwie krank und schlapp fühlt, geht Jaakko eines Morgens zum Arzt. Dieser eröffnet ihm bei seinem zweiten Besuch am darauffolgenden Tag, dass mehrere seiner Organe geschädigt sind und er mit großer Wahrscheinlichkeit schon bald zu den Verstorbenen der Gemeinde zählen wird. Ganz offensichtlich hat ihn jemand vergiftet. Jaakko vermutet, dass seine Frau und ihr heimlicher Lover Petri dahinter stecken. Beweisen kann er es allerdings nicht. Als wenn dies nicht schon genug Ärger für den Unternehmer bedeutet, bekommt er ganz plötzlich auch noch Konkurrenz in der eigenen Stadt und in der eigenen Branche.

Die Geschäftsführung der Hamina Pilz GmbH besteht aus drei zwielichtigen Typen, mit denen absolut nicht zu spaßen ist. Erst recht nicht, als Jaakko es wagt und bei ihnen heimlich spionieren geht. Leider bedenkt er dabei nicht, dass das Unternehmen kameragesichert ist. So können die drei Geschäftsführer ihm schon bald danach einen Film vorführen, den er lieber nicht zu Gesicht bekommen hätte. Er gibt seinen Fehler zu und verspricht, es nie wieder zu tun. Doch zumindest einer der drei möchte auf Nummer sicher gehen und verfolgt ihn mit seinem blauen Ford Mondeo. Dabei führt er zu allem Überfluss auch noch ein Samurai Schwert mit sich. Ob Jaakko ihm entkommen kann und wie die Geschichte weitergeht, das möchte ich gerne Euren Lauschern überlassen…

Antti Tuomainen beweist mit seinem hierzulande bei Audio-To-Go erschienenen Werk für mich mal wieder, was auch Lordi mit „Hard Rock Hallelujah“ beim Eurovision Song Contest eindrucksvoll hinbekommen haben. Auch, wenn man es ihnen anfangs nicht zutraut: Man sollte die Finnen niemals unterschätzen! Eine tolle, wunderbar von Peter Lontzek vorgetragene, Geschichte ist ihm da eingefallen, der hoffentlich noch viele Weitere folgen werden.

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Wem kannst du noch trauen? Taylor Adams – No Exit. Diese Nacht überlebt Du nicht.


In den Bergen von Colorado gerät die junge Kunststudentin Darby Thorne kurz vor Weihnachten mit Blue, ihrem schon etwas betagten Honda Civic, in einen Schneesturm. Sie war auf dem Weg zu ihrem Zuhause in Utah, wo ihre krebskranke Mutter Maya gerade in eine Klinik eingeliefert wurde. Doch der Sturm macht ihr einen Strich durch die Rechnung und sie muss Zuflucht in einem Motel suchen. Im Gastraum des Motels haben noch vier weitere Personen Rettung vor dem Schnee und der eisigen Kälte gefunden. Drei Männer, einer davon schon recht alt und dessen etwa gleichaltrige Frau. Die beiden anderen um die 30 Jahre.

Darby macht sich noch einmal draußen auf die Suche nach einem möglichen Handysignal, um ihrer älteren Schwester eine SMS zu schicken. Sie sucht auch in der Nähe von ihrem Auto. Dabei führt sie ihr Weg über den Parkplatz an einem grauen Lieferwagen vorbei. Plötzlich erschreckt sie ganz furchtbar. Gegen die hintere Scheibe des Lieferwagens klatscht von innen eine zierliche, kleine Hand. Kurze Zeit später erscheint ein ängstliches Gesicht am Fenster. Es ist ein Kind, genauer gesagt ein kleines Mädchen, das ganz offensichtlich in dem Auto gefangen ist. Darby ist total durcheinander und kehrt erst einmal in den Gastraum zurück.

Dort beschließt sie, das Kind zu retten. Ashley, einer der beiden jungen Männer, soll ihr dabei helfen. Dieser soll Lars, den anderen jungen Mann und offensichtlich Besitzer des Wagens, außer Gefecht setzen. Doch schon kurze Zeit später wird ihr bewusst, dass dies keine gute Idee gewesen ist. Denn Ashley und Lars scheinen sich sehr gut zu kennen. Mehr noch, sie sind Brüder. Ohne es zu ahnen, hat sich Darby damit in Lebensgefahr begeben. Nun ist also nicht nur der Schnee zu einem immer größer werdenden Problem für sie geworden…

Taylor Adams ist mit No Exit (dt. Kein Ausweg) etwas gelungen, was noch nicht viele Autoren bei mir geschafft haben. Ich musste unbedingt wissen, wie die Geschichte ausgeht. So spannend und nervenaufreibend war die Handlung. Hörbuchsprecherin Britta Steffenhagen schafft es überdies, mit ihrer wandlungsfähigen Stimme die Spannung wunderbar aufrecht zu erhalten. Dieses bei Random House Audio erschienene Hörbuch und auch das bei Heyne erschienene Taschenbuch kann ich Euch nur wärmstens ans Herz legen. Genau die richtige Story für kalte Wintertage.

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Wenn das Verschwinden eines Menschen Licht ins Dunkel bringt: Sabine Kornbichler – Das Verstummen der Krähe

Es gibt einige Hörbücher, die schon seit längerer Zeit darauf gewartet hatten, von mir gehört zu werden. Manchmal sind auch einige wahre Schätze darunter. Beispielsweise das Hörbuch Das Verstummen der Krähe von Sabine Kornbichler. Erst, nachdem ich es nun vor ein paar Tagen gehört hatte, habe ich erfahren, dass es schon mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurde. Und das zu Recht, wie ich heute sagen kann.

Protagonistin dieser Geschichte ist die 28-jährige in einem Stadtteil von München lebende Nachlassverwalterin Kristina Mahlo. Sie hat ein ganz besonderes Wildtier zum Freund. Das ist eine Krähe, die sie Alfred genannt hat. Dieser Krähenmann kommt fast täglich zu ihr und holt sich ein Leckerchen in Form von einer Walnuss bei ihr ab. Darüber hinaus wohnt auch noch ihre Hündin Rosa bei ihr. Ihre Eltern sind ebenfalls nicht weit entfernt. Sie wohnen in der Nachbarschaft. Kristinas Freund Simon ist Weinhändler und lebt noch immer nicht mit ihr zusammen. Das hat mit ihrer familiären Vergangenheit zu tun. Denn vor einigen Jahren ist Kristinas zwei Jahre älterer Bruder Ben verschwunden. Niemand kann sagen, ob er überhaupt noch lebt.

Kristina ist innerlich noch immer auf der Suche nach ihm. Sie hofft immer noch, dass er irgendwann wieder auftauchen wird. Darüber hinaus widmet sie sich mit Hingabe ihre Arbeit. Doch als plötzlich ein Mann aus der Erbengemeinschaft ihres letzten Hinterbliebenenfalls auf mysteriöse Weise ums Leben kommt, wird ihr Spürsinn geweckt. Als darüber hinaus auch ans Licht kommt, dass es mit dem Verschwinden ihres Bruders zu tun haben könnte, begibt sich Kristina auf die Suche nach Spuren…

Sabine Kornbichler ist mit Kristina Mahlo eine ganz besondere Romanfigur gelungen. Sie wirkt äußerst menschlich und lebensnah. Hörbuchsprecherin Vanida Karun tut mit ihrer einnehmenden Intonation des Hörbuches dazu noch ein Übriges. Audible Studios haben die Romane allesamt als Hörbücher veröffentlicht. Mittlerweile sind drei davon erschienen.

Hörprobe

Kurz vor dem Erscheinen des zweiten Falls von Kristina Mahlo hat Autorin Sabine Kornbichler etwas zu ihrer Entstehung erzählt: