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Traurig und komisch zugleich: Antti Tuomainen – Die letzten Meter bis zum Friedhof

Was verbinde ich mit Finnland? Nun, zunächst mal: Geniale Rockmusik! Als da wären HIM, Nightwish und The Rasmus. Seit einem der letzten Eurovision Song Conteste auch Lordi. Und natürlich Sunrise Avenue. Von Finnlands Buchautoren war mir bislang nur Arto Paasilinna bekannt. Dessen bekannteste Werke hat Jürgen von der Lippe für den Lübbe Audio Verlag genial auf Deutsch eingelesen. In Sachen Romankreateure kann ich nun auch Antti Tuomainen dazu zählen. Seinen wunderbar komischen, absurden Roman Die letzten Meter bis zum Friedhof möchte ich hier in dieser Rezension etwas genauer betrachten.

In der Geschichte geht es um den 37-jährigen Jaakko, der gemeinsam mit seiner Frau Taaina in dem kleinen Städtchen Hamina ein Speisepilzvertriebsunternehmen betreibt. Die von ihnen vertriebenen Pilze heißen Matsutake, sind DER Verkaufsschlager in Japan; wachsen allerdings vorwiegend in Finnland. Weil er sich irgendwie krank und schlapp fühlt, geht Jaakko eines Morgens zum Arzt. Dieser eröffnet ihm bei seinem zweiten Besuch am darauffolgenden Tag, dass mehrere seiner Organe geschädigt sind und er mit großer Wahrscheinlichkeit schon bald zu den Verstorbenen der Gemeinde zählen wird. Ganz offensichtlich hat ihn jemand vergiftet. Jaakko vermutet, dass seine Frau und ihr heimlicher Lover Petri dahinter stecken. Beweisen kann er es allerdings nicht. Als wenn dies nicht schon genug Ärger für den Unternehmer bedeutet, bekommt er ganz plötzlich auch noch Konkurrenz in der eigenen Stadt und in der eigenen Branche.

Die Geschäftsführung der Hamina Pilz GmbH besteht aus drei zwielichtigen Typen, mit denen absolut nicht zu spaßen ist. Erst recht nicht, als Jaakko es wagt und bei ihnen heimlich spionieren geht. Leider bedenkt er dabei nicht, dass das Unternehmen kameragesichert ist. So können die drei Geschäftsführer ihm schon bald danach einen Film vorführen, den er lieber nicht zu Gesicht bekommen hätte. Er gibt seinen Fehler zu und verspricht, es nie wieder zu tun. Doch zumindest einer der drei möchte auf Nummer sicher gehen und verfolgt ihn mit seinem blauen Ford Mondeo. Dabei führt er zu allem Überfluss auch noch ein Samurai Schwert mit sich. Ob Jaakko ihm entkommen kann und wie die Geschichte weitergeht, das möchte ich gerne Euren Lauschern überlassen…

Antti Tuomainen beweist mit seinem hierzulande bei Audio-To-Go erschienenen Werk für mich mal wieder, was auch Lordi mit „Hard Rock Hallelujah“ beim Eurovision Song Contest eindrucksvoll hinbekommen haben. Auch, wenn man es ihnen anfangs nicht zutraut: Man sollte die Finnen niemals unterschätzen! Eine tolle, wunderbar von Peter Lontzek vorgetragene, Geschichte ist ihm da eingefallen, der hoffentlich noch viele Weitere folgen werden.

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Wem kannst du noch trauen? Taylor Adams – No Exit. Diese Nacht überlebt Du nicht.


In den Bergen von Colorado gerät die junge Kunststudentin Darby Thorne kurz vor Weihnachten mit Blue, ihrem schon etwas betagten Honda Civic, in einen Schneesturm. Sie war auf dem Weg zu ihrem Zuhause in Utah, wo ihre krebskranke Mutter Maya gerade in eine Klinik eingeliefert wurde. Doch der Sturm macht ihr einen Strich durch die Rechnung und sie muss Zuflucht in einem Motel suchen. Im Gastraum des Motels haben noch vier weitere Personen Rettung vor dem Schnee und der eisigen Kälte gefunden. Drei Männer, einer davon schon recht alt und dessen etwa gleichaltrige Frau. Die beiden anderen um die 30 Jahre.

Darby macht sich noch einmal draußen auf die Suche nach einem möglichen Handysignal, um ihrer älteren Schwester eine SMS zu schicken. Sie sucht auch in der Nähe von ihrem Auto. Dabei führt sie ihr Weg über den Parkplatz an einem grauen Lieferwagen vorbei. Plötzlich erschreckt sie ganz furchtbar. Gegen die hintere Scheibe des Lieferwagens klatscht von innen eine zierliche, kleine Hand. Kurze Zeit später erscheint ein ängstliches Gesicht am Fenster. Es ist ein Kind, genauer gesagt ein kleines Mädchen, das ganz offensichtlich in dem Auto gefangen ist. Darby ist total durcheinander und kehrt erst einmal in den Gastraum zurück.

Dort beschließt sie, das Kind zu retten. Ashley, einer der beiden jungen Männer, soll ihr dabei helfen. Dieser soll Lars, den anderen jungen Mann und offensichtlich Besitzer des Wagens, außer Gefecht setzen. Doch schon kurze Zeit später wird ihr bewusst, dass dies keine gute Idee gewesen ist. Denn Ashley und Lars scheinen sich sehr gut zu kennen. Mehr noch, sie sind Brüder. Ohne es zu ahnen, hat sich Darby damit in Lebensgefahr begeben. Nun ist also nicht nur der Schnee zu einem immer größer werdenden Problem für sie geworden…

Taylor Adams ist mit No Exit (dt. Kein Ausweg) etwas gelungen, was noch nicht viele Autoren bei mir geschafft haben. Ich musste unbedingt wissen, wie die Geschichte ausgeht. So spannend und nervenaufreibend war die Handlung. Hörbuchsprecherin Britta Steffenhagen schafft es überdies, mit ihrer wandlungsfähigen Stimme die Spannung wunderbar aufrecht zu erhalten. Dieses bei Random House Audio erschienene Hörbuch und auch das bei Heyne erschienene Taschenbuch kann ich Euch nur wärmstens ans Herz legen. Genau die richtige Story für kalte Wintertage.

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Wenn das Verschwinden eines Menschen Licht ins Dunkel bringt: Sabine Kornbichler – Das Verstummen der Krähe

Es gibt einige Hörbücher, die schon seit längerer Zeit darauf gewartet hatten, von mir gehört zu werden. Manchmal sind auch einige wahre Schätze darunter. Beispielsweise das Hörbuch Das Verstummen der Krähe von Sabine Kornbichler. Erst, nachdem ich es nun vor ein paar Tagen gehört hatte, habe ich erfahren, dass es schon mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurde. Und das zu Recht, wie ich heute sagen kann.

Protagonistin dieser Geschichte ist die 28-jährige in einem Stadtteil von München lebende Nachlassverwalterin Kristina Mahlo. Sie hat ein ganz besonderes Wildtier zum Freund. Das ist eine Krähe, die sie Alfred genannt hat. Dieser Krähenmann kommt fast täglich zu ihr und holt sich ein Leckerchen in Form von einer Walnuss bei ihr ab. Darüber hinaus wohnt auch noch ihre Hündin Rosa bei ihr. Ihre Eltern sind ebenfalls nicht weit entfernt. Sie wohnen in der Nachbarschaft. Kristinas Freund Simon ist Weinhändler und lebt noch immer nicht mit ihr zusammen. Das hat mit ihrer familiären Vergangenheit zu tun. Denn vor einigen Jahren ist Kristinas zwei Jahre älterer Bruder Ben verschwunden. Niemand kann sagen, ob er überhaupt noch lebt.

Kristina ist innerlich noch immer auf der Suche nach ihm. Sie hofft immer noch, dass er irgendwann wieder auftauchen wird. Darüber hinaus widmet sie sich mit Hingabe ihre Arbeit. Doch als plötzlich ein Mann aus der Erbengemeinschaft ihres letzten Hinterbliebenenfalls auf mysteriöse Weise ums Leben kommt, wird ihr Spürsinn geweckt. Als darüber hinaus auch ans Licht kommt, dass es mit dem Verschwinden ihres Bruders zu tun haben könnte, begibt sich Kristina auf die Suche nach Spuren…

Sabine Kornbichler ist mit Kristina Mahlo eine ganz besondere Romanfigur gelungen. Sie wirkt äußerst menschlich und lebensnah. Hörbuchsprecherin Vanida Karun tut mit ihrer einnehmenden Intonation des Hörbuches dazu noch ein Übriges. Audible Studios haben die Romane allesamt als Hörbücher veröffentlicht. Mittlerweile sind drei davon erschienen.

Hörprobe

Kurz vor dem Erscheinen des zweiten Falls von Kristina Mahlo hat Autorin Sabine Kornbichler etwas zu ihrer Entstehung erzählt:

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Juristen leben oftmals gefährlich: Sabine Thiesler – Zeckenbiss

Lara Sennen, eine erfolgreiche Berliner Rechtsanwältin, macht, wie in jedem Jahr, mit ihrem Mann Bastian Urlaub in der Toskana. Er ist ein erfolgreicher Unternehmer, der nebenbei Polo spielt, auch in der Toskana. Sie beschäftigt sich vorrangig mit Jugendlichen, die straffällig geworden sind. Als Bastian wieder einmal in Italien ein Polospiel bestreitet, fährt sie mit. Dabei kommt Lara der Gedanke, doch in Italien ein Ferienhaus zu kaufen. Wie der Zufall es will, begegnet sie zufällig einem deutschen Makler, der in der Toskana Ferienhäuser feilbietet.

Zumindest behauptet er das. In Wirklichkeit führt er etwas ganz anderes im Schilde. Das bekommt Lara schmerzhaft hinterrücks zu spüren, als sie gerade ein Haus mit ihm besichtigt und die Aussicht genießt. Das Resultat daraus ist, dass sie stirbt. Genauso, wie ihr ergeht es einige Zeit später einem Richter aus Berlin. Er wird genau, wie Lara, erdrosselt. Hängen diese beiden Fälle zusammen? Und wenn ja, wie? Das erfährt der Hörer in Sabine Thieslers genialem Thriller Zeckenbiss, den die Autorin selbst als Hörbuch eingesprochen hat. (Was leider im Moment nicht mehr zu bekommen ist. Warum, das entzieht sich meiner Kenntnis.)

In Buch– und in ebook-Form ist er beim Heyne Verlag erschienen. Die Autorin spielt in ihrer Geschichte ebenso mit Klischees, wie mit malerischen Urlaubsbildern. Daraus setzt sich letztlich der spannende Plot zusammen. Eine ganz besondere persönliche Note bekommt der Thriller dadurch, dass sie ihn selbst vorträgt. Man merkt, das Sabine Thiesler in Berlin zusammen mit verschiedenen ausländischen Mitbürgern groß geworden ist und ein Faible für die Toskana hat.

Mir haben die Geschichte und das Hörbuch sehr gut gefallen. Es wäre schön, wenn es nicht das letzte Hörbuch wäre, was sie ihrem Publikum selbst vorträgt. (Vielleicht liest sie meinen Beitrag ja und fühlt sich dadurch ermuntert.)

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Wenn einen die Vergangenheit einholt: Sandra Dünschede – Friesenlüge

Manchmal gibt es Hörbücher, die einem lange Zeit über den Weg laufen, aber man entschließt sich letztlich doch immer wieder für ein anderes. Bei diesem Hörbuch ging es mir tatsächlich so. Nun bin ich umso froher darüber, dass ich es mir angeschafft habe. Jetzt stelle ich es Euch auch gerne vor:

Oftmals ist es regelrecht erschreckend, was auf ganz harmlosen Ausflügen so passieren kann. Im Krimi Friesenlüge von Sandra Dünschede ist das zum Beispiel der Fall. Eine Rentnergruppe aus Niebüll in Schleswig-Holstein möchte in Hamburg eine Hafenrundfahrt machen, als plötzlich auffällt, dass Heinrich Madsen, einer der Senioren, fehlt. Die herbei gerufene Polizei macht daraufhin im Hamburger Volkspark eine schreckliche Entdeckung. Der Rentner wurde dort scheinbar erschlagen.

Einige Tage darauf wird auch seine Frau Erika in ihrer Niebüller Wohnung tot aufgefunden. Die Hamburger und Niebüller Rechtsmediziner sind sich schon bald über die wahre Todesursache der beiden einig: Eine Überdosis Insulin, wie es vor allem von Diabetikern genutzt wird, wurde beiden, unabhängig voneinander, gespritzt. Die Hauptkommissare Thamsen aus Niebüll und Nielsen aus Hamburg ermitteln gemeinsam. Dabei kommt auch etwas von Madsens krimineller Vergangenheit ans Licht, der in jungen Jahren zur See gefahren ist…

Mir hat der in Nordfriesland und in Hamburg verortete Krimi sehr gut gefallen. Nicht zuletzt aufgrund des rauhen Charmes, mit dem Tobias Dutschke die Charaktere spricht. Auch, wenn die Geschichte schon im Jahre 2014 bei Saga veröffentlicht wurde, es lohnt sich bis heute, sie anzuhören. Sandra Dünschede hat sich einen extrem realistisch wirkenden Plot ausgedacht, der tatsächlich so passiert sein könnte.

Hörprobe

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Die Leichtigkeit des Seins wird mit dieser Geschichte fassbar: Stephen King – Erhebung

Mit 14 Jahren wurde ich das erste Mal mit dem Werk von Stephen King konfrontiert. Damals lief bei uns im Kino gerade der Film „Friedhof der Kuscheltiere“ an. Schon, als ich im Fernsehen Ausschnitte davon sah, bekam ich Panik. Horror ist nämlich überhaupt nicht mein Genre. Darum habe ich seither sämtliche Bücher von Stephen King und auch Filme, die daraus entstanden, gemieden.

Heute bin ich 30 Jahre älter, habe in meinem Leben selbst auch schon einigen Horror durchlebt und hatte nun das Gefühl, dass es an der Zeit ist, auch einmal einem Hörbuch von Stephen King eine Chance zu geben. Außerdem machte mich das Cover von Erhebung irgendwie neugierig.

Vertont wurde das bei Heyne erschienene Buch bei Random House Audio von David Nathan, der mir seinerseits sogar das Telefonbuch vorlesen könnte; es wäre plötzlich spannend. Kein Wunder also, dass das Hörbuch grandios geworden ist. Zusammengefasst handelt es von Scott, einem Mann aus Castle Rock, der wie durch ein Wunder immer leichter und leichter wird. Wohin ihn das führt, das könnt Ihr Euch am besten selbst anhören.

Mir hat die dreieinhalbstündige Geschichte sehr gut gefallen. Glücklicherweise für mich war dieses Mal eher Spannung und Ungewissheit, als Horror im Spiel. Aber auch dieses Genre beherrscht Stephen King wahrlich meisterhaft. Mein Fazit: Es ist nie zu spät im Leben, jemandem eine Chance zu geben.

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Matthew Costello und Neil Richards platzieren ihre neue Krimiserie in der guten alten Zeit Englands: Mydworth – Bei Ankunft Mord

Die Geschichte führt uns ins englische Sussex des frühen 20. Jahrhunderts. Lord Harry Mortimer und seine Angetraute Ehefrau Kat Reilley aus den USA waren nach ihrer Heirat lange Zeit im Nahen Osten unterwegs. Nun kehren sie erstmalig zu zweit in sein Zuhause zurück. Sein Zuhause ist Mydworth Manor, der herrschaftliche Landsitz seiner Tante Filicia. Bei ihr ist Harry groß geworden, nachdem seine Eltern bei einem Unfall ums Leben kamen.

Die beiden sind kaum beim Haus der Tante angekommen, da klettert im oberen Stockwerk plötzlich ein Mann auf den Fenstersims, wird erschossen und fällt auf den Hof. Beide rufen sofort die örtliche Polizei, können sich aber keinen Reim auf die Sache machen. Auch die Tante ist schockiert. Bei dem Mann handelt es sich um ihren Chauffeur. Warum er auf den Fenstersims geklettert ist, wer ihn erschossen hat und weshalb das alles stattfand, das werden Harry und Kat in der ersten Folge von Mydworth – Bei Ankunft Mord herausfinden.

Nach dem Erfolg ihrer Hörbuchserie Cherringham haben Costello & Richards mit Mydworth wieder einen Treffer gelandet. Die beiden Autoren haben es erneut geschafft, ein charmantes Ermittlerpaar zu kreieren, das nun in Englands Vergangenheit zum Zuge kommt. Mit Demet Fey hat Lübbe Audio zudem erneut eine wunderbare Vorleserin gefunden, die die Geschichte(n) des Ehepaars Mortimer wunderbar vorzutragen weiß. Ich freue mich schon auf die nächsten Folgen der neuen „Dranbleiben“ Serie.

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Eine Verschwundene und ihre menschliche Kopie: Max Bentow – Rotkäppchens Traum

Die aus wohlhabenden Hause stammende gutaussehende, in Berlin ansässige Kunstlehrerin Annie Friedmann gilt seit Jahren als verschollen. Seit einer Halloween-Party vor sieben Jahren wurde sie von niemandem mehr gesehen. Diese hatte sie zusammen mit ehemaligen Schulfreunden in ihrer Heimatstadt Blaubeuren in Bayern gefeiert.

Mit dabei war auch ihre Studienkollegin und Freundin Rebecca. Rebeccas Familie ist eher ärmlich. Deswegen musste sie schon während ihres Studiums in einem Schnellimbiss jobben. Annie hatte ihr gottseidank während ihres gemeinsamen Uniaufenthaltes angeboten, mit in ihre Berliner Eigentumswohnung zu ziehen. Darum hat sie auch nach Annies Verschwinden ein Dach über dem Kopf.

Annie war schon immer Rebeccas Vorbild. Darum hat sie nach und nach immer mehr ihr Aussehen und ihren Kleidungsstil übernommen. Als Annie verschwunden ist übernimmt sie kurzerhand ihren Namen sowie ihr Selbstbewusstsein und gibt unter Freunden und Kollegen an, sich einfach nur mal eine kurze Auszeit genommen zu haben.

Das geht so lange gut, bis das Gerücht aufkommt, dass die „echte“ Annie entführt und vermutlich ermordet wurde. Nun muss Rebecca befürchten, dass ihr falsches Spiel auffliegt…

Wenn Max Bentow nicht gerade wieder an einer Geschichte um seinen Kriminalkommissar Nils Trojan schreibt, dann fallen ihm auch so eine ganze Reihe von skurrilen Kriminalgeschichten und Thrillern ein. Wie die Geschichte um Annie und Rebecca.

Letztere könnte wahrscheinlich wirklich diejenige sein, die schon lange Zeit Rotkäppchens Traum geträumt hat. Wie das Ganze letztendlich ausgeht könnt Ihr Euch gerne im dazu vorliegenden Hörbuch aus dem Hörverlag anhören. Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen. Zudem hat sie mir so manchen trüben Reha-Tag erhellt.

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Ein einziger Tag im Leben verändert alles: Bernhard Aichner – Der Fund

Kommen wir vom Klassiker doch gleich mal zur Neuerscheinung: Rita wollte eigentlich Schauspielerin werden. Sie lebt mit ihren Eltern in Österreich in der Nähe von Innsbruck. Am familieneigenen Bauernhof hat sie allerdings wenig Interesse. Einige Lehrer bescheinigen ihr schon früh, dass sie Talent für die Schauspielerei habe. Aber sie wird bei den Schauspielschulen abgelehnt. Darum macht sie eine Ausbildung zur Krankenschwester. Doch dann geschieht das Unerwartete: Ihre Eltern werden von einer vom Berg abgehenden Lawine verschüttet und sterben.

Daraufhin hängt sie ihren Beruf als Krankenschwester an den Nagel. Sie kann einfach nicht mehr mit Tod und Sterben umgehen. Nach dieser ganzen Misere lernt sie ihren zukünftigen Ehemann Manfred kennen. Dieser ist erst herzensgut zu ihr, entwickelt sich aber im Laufe der Zeit immer mehr zu einem Arschloch. Auch gegenüber dem gemeinsamen Sohn, Wunschkind Theo, der schon nach wenigen Jahren Lebenszeit bei einem Autounfall stirbt. Rita arbeitet zu dieser Zeit bereits als Verkäuferin in einem Supermarkt.

Sie klammert sich immer mehr an den Job, damit sie wenigstens irgendetwas im Leben hat, was funktioniert. Für Manfred wird schon bald alles zu viel. Als er dann auch noch seinen Job verliert, beginnt er zu trinken. Just zu dieser Zeit macht Rita einen Fund im Supermarkt, der ihr Leben verändern soll. In einer Bananenkiste findet sie insgesamt 12 Päckchen Kokain. Diese wurden wohl aus Südamerika für Drogenhändler ins Land geschmuggelt.

Sie überlegt nicht lange und nimmt die Kiste mit den Bananen und dem weiteren gefährlichen Inhalt einfach mit nach Hause. Dort bringt sie die Kiste kurzerhand zu Greta , einer pensionierten Richterin und mittlerweile todkranken Frau aus der Nachbarschaft. Seit dem Tod ihres Sohnes hat sich Rita mit ihrem Säuferehemann Manfred nicht mehr viel zu sagen und kümmert sich lieber um Greta, die es ihr von Herzen dankt.

Als Greta den Fund der Verkäuferin erblickt, weiß sie zunächst auch nicht, was die zwei damit anstellen sollen. Dann hat sie jedoch eine Idee…

Bernhard Aichner beginnt so langsam, mein Lieblingsschriftsteller zu werden. Vor allem deshalb, weil seine Charaktere immer etwas sehr Sympathisches an sich haben. Das gefällt mir ausgesprochen gut. Außerdem mag ich die Art, wie Hans Sigl das Ganze vorliest. Das gefiel mir auch schon bei Bösland. Christian Berkel konnte das bei Totenfrau allerdings auch sehr gut. Alles in allem gesprochen: Schauspieler können das Ganze grandios vortragen, aber Aigners sprachlicher Ausdruck ist von sich aus schon wunderbar.

Ich hoffe ich werde mir noch viele Romane von ihm anhören können. Der Fund aus dem Hörverlag ist wieder eine wirkliche Empfehlung von mir.

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Eine Bestatterin übt Selbstjustiz: Bernhard Aichner – Totenfrau

Bei diesem Euch vorgestellten Hörbuch kann man getrost schon von einem echten Klassiker reden. Es handelt sich um den ersten Teil der Brünhilde Blum Triologie von Bernhard Aichner, gesprochen vom ZDF-„Kriminalist“ – Darsteller Christian Berkel. Nachdem ich das später erschienene Bösland von Aichner besprochen hatte, bin ich irgendwie neugierig auf sein Hauptwerk geworden. Und das zu Recht, wie ich feststellen konnte. Denn schon gleich zu Beginn schildert der Erzähler, wie Brünhilde ihre Eltern zur Strecke bringt.

Die sind begeisterte Segler gewesen, darum gab es für die vierundzwanzigjährige Bestatterin nichts Besseres zu tun, als sie ertrinken zu lassen. Denn sie wurde von ihnen seit ihrer Kindheit behandelt wie ein Sklave. Schon gleich nach ihrem Tod konnte Brünhilde erleichtert das Bestattungsunternehmen ihrer Eltern übernehmen. Da sie bereits als Kind nichts anderes gelernt hatte, als die Toten für ihre Beerdigung herzurichten, war die diese Aufgabe für Sie nichts Außergewöhnliches.

Kaum ist sie mit dem Boot nach dem „Unfall“ ihrer Eltern in den Hafen zurückgekehrt, lernt sie auch schon ihren zukünftigen Ehemann Mark kennen. Der ist Polizist, hilft ihr an Land und beginnt mit ihr ein traumhaftes Leben, dass die zwei Kinder Uma und Nela krönen. Die Mädchen sind gerade drei und fünf Jahre alt, als Mark, der begeisterter Motorradfahrer ist, auf dem Weg zur Arbeit von einem Landrover erfasst wird und stirbt. Der Autofahrer begeht Fahrerflucht.

Für Brünhilde bricht eine Welt zusammen. Erst recht, als sie einige Zeit später erfahren muss, dass der vermeintliche Unfall vermutlich absichtlicher Mord gewesen ist. Von dem Moment an setzt sie alles daran, Marks Mörder zu finden und dessen Leben ihrerseits zu beenden…

Bernhard Aichner hat sich mit Brünhilde Blum eine grandiose, richtig gefühlvolle Figur ausgedacht, bei der man als Hörer schon Lust auf die nächste von ihr erdachte Tat bekommt. Vor allem deshalb, weil sie ja stets nur Gerechtigkeit für ihren verstorbenen Ehemann ausüben will. Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie ihre Geschichte weitergehen wird.

Denn nach dem ersten Teil Totenfrau sind auch noch die beiden Teile Totenhaus und Totenrausch beim Hörverlag erschienen. Die werde ich mir in den nächsten Tagen zu Gemüte führen. Euch kann ich zu allen drei Teilen schon jetzt wirklich raten. Denn auch die beiden Fortsetzungen werden auf jeden Fall grandios sein. Da bin ich mir ganz sicher.