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Traurig und komisch zugleich: Antti Tuomainen – Die letzten Meter bis zum Friedhof

Was verbinde ich mit Finnland? Nun, zunächst mal: Geniale Rockmusik! Als da wären HIM, Nightwish und The Rasmus. Seit einem der letzten Eurovision Song Conteste auch Lordi. Und natürlich Sunrise Avenue. Von Finnlands Buchautoren war mir bislang nur Arto Paasilinna bekannt. Dessen bekannteste Werke hat Jürgen von der Lippe für den Lübbe Audio Verlag genial auf Deutsch eingelesen. In Sachen Romankreateure kann ich nun auch Antti Tuomainen dazu zählen. Seinen wunderbar komischen, absurden Roman Die letzten Meter bis zum Friedhof möchte ich hier in dieser Rezension etwas genauer betrachten.

In der Geschichte geht es um den 37-jährigen Jaakko, der gemeinsam mit seiner Frau Taaina in dem kleinen Städtchen Hamina ein Speisepilzvertriebsunternehmen betreibt. Die von ihnen vertriebenen Pilze heißen Matsutake, sind DER Verkaufsschlager in Japan; wachsen allerdings vorwiegend in Finnland. Weil er sich irgendwie krank und schlapp fühlt, geht Jaakko eines Morgens zum Arzt. Dieser eröffnet ihm bei seinem zweiten Besuch am darauffolgenden Tag, dass mehrere seiner Organe geschädigt sind und er mit großer Wahrscheinlichkeit schon bald zu den Verstorbenen der Gemeinde zählen wird. Ganz offensichtlich hat ihn jemand vergiftet. Jaakko vermutet, dass seine Frau und ihr heimlicher Lover Petri dahinter stecken. Beweisen kann er es allerdings nicht. Als wenn dies nicht schon genug Ärger für den Unternehmer bedeutet, bekommt er ganz plötzlich auch noch Konkurrenz in der eigenen Stadt und in der eigenen Branche.

Die Geschäftsführung der Hamina Pilz GmbH besteht aus drei zwielichtigen Typen, mit denen absolut nicht zu spaßen ist. Erst recht nicht, als Jaakko es wagt und bei ihnen heimlich spionieren geht. Leider bedenkt er dabei nicht, dass das Unternehmen kameragesichert ist. So können die drei Geschäftsführer ihm schon bald danach einen Film vorführen, den er lieber nicht zu Gesicht bekommen hätte. Er gibt seinen Fehler zu und verspricht, es nie wieder zu tun. Doch zumindest einer der drei möchte auf Nummer sicher gehen und verfolgt ihn mit seinem blauen Ford Mondeo. Dabei führt er zu allem Überfluss auch noch ein Samurai Schwert mit sich. Ob Jaakko ihm entkommen kann und wie die Geschichte weitergeht, das möchte ich gerne Euren Lauschern überlassen…

Antti Tuomainen beweist mit seinem hierzulande bei Audio-To-Go erschienenen Werk für mich mal wieder, was auch Lordi mit „Hard Rock Hallelujah“ beim Eurovision Song Contest eindrucksvoll hinbekommen haben. Auch, wenn man es ihnen anfangs nicht zutraut: Man sollte die Finnen niemals unterschätzen! Eine tolle, wunderbar von Peter Lontzek vorgetragene, Geschichte ist ihm da eingefallen, der hoffentlich noch viele Weitere folgen werden.

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Im niedersächsischen Niemandsland ist schwer was los: Horst Evers – Es hätte alles so schön sein können

Das fiktive Dorf Torfstede ist einer der wohl unbekanntesten Orte in Deutschland. Zumindest, was frei erfundene Statistiken angeht. Er ist mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit im niedersächsischen Niemandsland zwischen Bremen, Oldenburg und Osnabrück verortet. Zumindest vermute ich das. Denn in dieser Gegend ist der Autor und Sprecher dieses Hörbuches aufgewachsen.

Dass der mittlerweile schon sehr lange in Berlin ansässige Kabarettist Horst Evers ein wunderbarer Vorleser ist, beweist er jedes Mal wieder bei einer seiner Lesungen von grandios humorigen Alltagsbeobachtungen vor begeistertem Publikum. Ebenso hat er bereits mit dem König von Berlin einen wunderbar komischen und herrlich absurden Krimi geschrieben, der 2017 mit Florian Lukas in der Hauptrolle auch verfilmt wurde. Es hätte alles so schön sein können, wie schon der erste als Hörbuch von Evers persönlich vertonte Krimi erschienen im Argon Verlag, ist nun sein zweiter einmalig komischer, kriminalistischer Streich. Erneut eine Krimikomödie par Exellence, die hoffentlich auch wieder verfilmt wird.

Der Roman beginnt also im fiktiven Dorf Torfstede irgendwo im westlichen Niedersachsen. Im Dorf lebt der 17-jährige Schüler Marco, der seine Freizeit oft mit seiner besten Freundin Mareike verbringt. Beide sind typische Landeier, die das Dorfleben auf jeden Fall dem Großstadtleben vorziehen. Als nun der Hühnerfarmer und Großbauer Grohde eines schönen Tages von seinem eigenen Traktor überfahren wird und stirbt, ändert sich im Dorf einiges. Sein etwas außerhalb des Ortes liegendes Gehöft wird von seinen Angehörigen veräußert. Den Zuschlag erhält ausgerechnet eine Vertreterin des horizontalen Gewerbes aus Hamburg. So kommt es, dass schon bald ein Landbordell mit dem schönen Namen „Village Rouge“ vor den Toren Torfstedes öffnet.

Für Marco die Gelegenheit, auch einmal halb bekleidete Frauen aus der Nähe zu sehen. Es sucht sich einen Beobachtungsposten unweit des Hofes. Mithilfe eines kleinen Feldstechers kann er von dort aus problemlos das Geschehen vor Ort beobachten. Doch was er dort an einem der ersten Tage zu sehen bekommt, raubt ihm schier den Atem. Aus einem der oberen Fenster stürzt ein Mann mit Rockerbekleidung unsanft auf den Hinterhof und bleibt dort tot liegen. Kurze Zeit später kommt eine leicht bekleidete Schönheit aus dem Bordell gerannt, sieht den Toten und ist am Boden zerstört, weil sie ahnt, was ihr und ihren Kolleginnen von Seiten der Rocker-Gang nun drohen wird.

Sie bittet den sich zu erkennen gebenden Marco um Hilfe und stellt sich ihm als Jana vor. Dieser überlegt nicht lange und ruft Mareike zu Hilfe, weil diese schon einen Führerschein besitzt. Zu dritt wollen sie den Toten in seinem eigenen Auto aus dem Weg schaffen, damit er von seinen Kumpels und von der Polizei nicht gefunden wird. Auf diese Weise entwickelt sich die Geschichte zum Road Movie und zu einem richtigen Abenteuer…

Ich hatte beim Hören dieser herrlich verrückten Geschichte viel Spaß. Darum möchte ich sie Euch für einen verregneten oder verschneiten Wintertag wärmstens ans Herz legen.

Hörprobe

 

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Eine bitterböse satirische Auseinandersetzung mit Europas Flüchtlingskrise: Timur Vermes – Die Hungrigen und die Satten

Timur Vermes hat mit Die Hungrigen und die Satten (erschienen bei Lübbe und Lübbe Audio) eine ganz besondere Satire auf die Flüchtlingskrise geschrieben. Der Autor von Er ist wieder da hat sich die Frage gestellt, was wohl passieren würde, wenn ein Fernsehteam des deutschen Privatfernsehens nach Afrika führe und dort sein bekanntestes Reality-TV-Gesicht eine Reportage über die Flüchtlinge drehen ließe. Die fiktive weibliche Hauptperson der Reportagereise heißt Nadesch Hackenbusch und ist eine ungefähre Mischung aus Margarete Schreinemakers, Vera Int-Veen und Verona Feldbusch. Für die Fernsehzuschauer ist sie „Der Engel im Elend – Sie geht dahin, wo es besonders weh tut“.

So ist sie auch mit ihrem Team an die Grenze Europas gereist und wird dort herzlich von den vielen Flüchtigen empfangen, die ihrerseits darauf warten, dass Europa ebendiese Grenze wieder öffnet. Gerade zu der Zeit, in der Frau Hackenbusch an der Grenze aufkreuzt, ist diese nämlich geschlossen. Denn Europa hat Angst vor den Flüchtlingen, die nun in einem großen Camp ihr Dasein fristen. Vor allem vor denjenigen, die nur deswegen kommen, weil in ihrem eigenen Land Hunger und Elend herrschen. Darum hoffen sie natürlich auf ein besseres Leben in Europa. Europa hat jedoch schon lange vergessen, dass es auch selbst einen großen Anteil an dem Elend der Menschen in Afrika hat. Nadesch Hackenbusch krempelt zunächst einmal die Ärmel hoch, um der örtlichen Krankenstation im Lager unter die Arme zu greifen.

Einer der Flüchtlinge fungiert als Übersetzer und zeigt auch sonst reges Interesse an der Dame aus Deutschland. Sie nennt ihn der Einfachheit halber Lionel und ist auch sonst ziemlich angetan von dem Mann. Das wiederum gefällt weder den Mitarbeitern ihres Teams, noch dem Sender in Deutschland, für den sie arbeitet. Darüber hinaus ist auch die deutsche Politik auf die Hackenbusch aufmerksam geworden. Denn ihre mittlerweile täglich ausgestrahlte Reportage aus dem Flüchtlingscamp hat sich zu einem echten Quoten-Hit entwickelt. Sogar im deutschen Innenministerium hat man mittlerweile Wind von der Sache bekommen…

Mir haben sowohl Buch, Hörbuch, als auch Download (exklusiv von Audible) vor allem deswegen gut gefallen, weil A. die Geschichte originell ist, B. das Hörbuch grandios von Christoph Maria Herbst dargeboten wird und C. Timur Vermes sich mit dieser Satire im Vergleich zu seinem ersten Buch noch einmal selbst übertroffen hat. Ich bin schon jetzt sehr gespannt darauf, was ihm als Nächstes einfallen wird. Vielleicht eine Persiflage über das Gerangel dreier Kandidaten um die Nachfolge von Frau Merkel auf den CDU-Vorsitz, wie wir es bis gestern erleben durften. Ich lass mich jedenfalls überraschen.

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Vom nutzlosen Langweiler zum auftragskillenden Womanizer: Jussi Adler Olsen – Miese kleine Morde

Lars Hvilling Hansen war Dänemarks erster „First Class Auftragskiller“ und einer von der wirklich raffinierten Sorte. Wie es dazu gekommen war? Nun, von seiner Frau war der Frührentner als Langweiler bezeichnet worden. Das konnte und wollte er nicht auf sich sitzen lassen. Nachdem sie sich von ihm getrennt hatte, ging er erst einmal zum Haare schneiden, um ein anderer Typ zu werden und sich neu stylen zu lassen.

Der Friseur, der eigentlich Jens Sörensen hieß, nannte sich, dem Beauty Genre angemessen, François und war natürlich, ganz klischeemäßig, schwul. Dennoch hatte er für Frisuren und Beauty Behandlungen ein gutes Händchen, sodass ihn vor allen Dingen die Damen aus der gehobenen Gesellschaft aufsuchten, um sich hübsch machen zu lassen. Auch Lars war nach seiner hochprofessionellen Behandlung ein ganz neuer, selbstbewusster Mann geworden. Darum wurde er dort auch zum Stammkunden. Während eines Besuches bei François kam Lars ganz plötzlich eine grandiose Geschäftsidee. Mehrfach musste er mitanhören, wie einige Damen ihren Ehemann über den Jordan wünschten. Dafür waren sie auch bereit, ein gehöriges Sümmchen springen zu lassen.

Das war für Lars die Gelegenheit, sich künftig auf einfache Weise seine Brötchen zu verdienen. Als erstes krempelte er sein Leben komplett um, weil ihn reiche Damen zukünftig in der Rolle des tatkräftig zupackenden, verlässlichen Gigolos wahrnehmen sollten. Er erstellte Adresslisten mit den wichtigsten Schönheitssalons der Umgebung und überlegte sich detailliert, wie er sich bei seinen „Kundinnen“ anpreisen sollte als „Auftragsmörder erster Klasse“. Dann wagte er den nächsten Schritt.

Bei seinem nächsten Aufenthalt im Schönheitssalon lernte er Gitta kennen. Die wollte sich nur zu gerne ihres Mannes Frank entledigen. Bei der Frage der Bezahlung waren sich Lars und Gitta schnell einig. Also legte sich Lars in den nächsten Tagen auf die Lauer. Mithilfe eines Elektroschockgerätes wollte er dem Mann den Gar ausmachen. Ob ihm dieses und noch weitere Attentate gelingen sollten möchte ich an dieser Stelle nicht verraten…

Nur soviel: Jussi Adler Olsen hat sich mit seiner Crime Story Miese kleine Morde, erschienen als Hörbuch bei DAV und natürlich gelesen von Wolfram Koch, eine wirklich wunderbare schwarze Komödie ausgedacht. Da ich mittlerweile aus Krankheitsgründen auch Frührentnerin bin, wäre ich gerne bei Lars mit auf den Zug aufgesprungen, wenn es nicht so kriminell wäre. Das ist dann nämlich doch nichts für mich. Dennoch hat mir die Geschichte um Dänemarks First Class Auftragskiller sehr gut gefallen. Jedem, der gerne mal etwas Skurriles und Komisches hört, kann ich sie nur wärmstens ans Herz legen.

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Eine Schiffstour mit russischem Humor: Wladimir Kaminer – Die Kreuzfahrer

Als Autor satirischer Romane und Geschichten wird man heutzutage des Öfteren mal auf ein Kreuzfahrtschiff eingeladen, um dort Lesungen abzuhalten. So ging es auch Wladimir Kaminer und seiner Frau. Der Autor nimmt in Die Kreuzfahrer, erschienen bei Random House Audio, ihre auf Einladung erfolgte „Aida“-Kreuzfahrt zum Anlass, eine neue Satire zu schreiben. Die dreht sich natürlich um all die Leute, mit denen er auf dem Schiff konfrontiert wird. Aber auch um die Häfen, die das Schiff während der Kreuzfahrt ansteuert und den ihm begegnenden, auf Touristen zugeschnittenen, landestypischen Eigenarten.

Im Anschluss an diese Kreuzfahrt im Mittelmeer wird das Ehepaar Kaminer von einem niedersächischen Reiseveranstalter zu einer Kreuzfahrt auf der „Queen of the Seas“ nach Florida eingeladen. Zu den mitfahrenden Amerikanern fallen ihm gleich noch ein paar bissige, aber durchaus zutreffende Pointen ein. Denn aus der Sicht des Russen Kaminer wirken die Amerikaner überdreht, freundlich, aber auch irgendwie merkwürdig…

Ich liebe die wunderbare Art, mit der Kaminer auf seine satirische, teilweise sarkastische Weise die Menschen und Dinge, die ihm begegnen, auf die Schippe nimmt. Kein Wunder, dass er hierzulande so viele Fans hat. Auch bei diesem Hörbuch ließ er es sich nicht nehmen, die Geschichte selbst vorzutragen. Sein wunderbarer russischer Akzent lässt das Geschilderte noch authentischer rüberkommen. Wenn man ihm zuhört, hat man sofort das Gefühl, selbst auf den Schiffen dabei gewesen zu sein.