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Tanzen weckt bei jedem die vergessene Lebensfreude: James Gould-Bourn – Pandatage

Noch ein Ausflug in die britische Hauptstadt: Danny Malooley ist Mitte 30 und arbeitet als Bauarbeiter auf einer Baustelle in London. Seit vor einem Jahr seine Frau Liz bei einem Unfall ums Leben gekommen ist, läuft bei ihm und auch bei seinem kleinen Sohn Will das Leben nicht mehr rund. Will sass bei dem Unfall hinter seiner Mutter im Auto, musste mitansehen, dass man ihr nicht mehr helfen konnte und redet seitdem kein Wort mehr. Auch Danny hat Probleme: Seit geraumer Zeit droht ihm und seinem Sohn der Vermieter mit Rauswurf aus der gemeinsamen Wohnung. Außerdem gibt es für ihn auf der Baustelle nichts mehr zu tun und man kündigt ihm.

Um das möglichst lange vor seinem Sohn zu verheimlichen, begibt er sich während der Zeit, in der er sonst auf der Arbeit gewesen wäre, auf Jobsuche. Er findet jedoch zunächst einmal nichts. Dann beobachtet er, eher durch Zufall, die Kleinkünstler, die sich in einem Londoner Park durch Vorführungen und Akrobatik Geld verdienen. Er beschließt, es ihnen gleichzutun und begibt sich in einen Kostümverleih, wo er dass eher ladenhütende Kostüm eines Pandabären ersteht. Er begibt sich damit in den Park und beginnt fortan, als Tanzbär aufzutreten. Zunächst erntet er damit nur „Buh“-Rufe.

Dann jedoch beginnt die Pole Tänzerin Krystal, sich seiner zu erbarmen und bringt ihm das Tanzen bei. Welche Rolle Will bei all dem noch spielen wird, ob er jemals wieder spricht und warum Danny in seinem Kostüm zu einem Tanzwettbewerb antritt, das solltet Ihr beim Hören dieses von Hendrik Duryn grandios vorgetragenen Hörbuches aus dem Argon Verlag selbst in Erfahrung bringen. Mir hat das Hörbuch, das in Buchform in Deutschland bei Kiepenheuer und Witsch erschienen ist, sehr gut gefallen. Irgendwie hat es mich zudem an meine eigene verstorbene Mutter erinnert und daran, dass ich gern mal wieder in der Lage wäre, zu tanzen…

James Gould-Bourn ist mit Pandatage eine wunderschöne Geschichte gelungen, die gleichzeitig anrührend, komisch und traurig ist. Eine Geschichte, die man in dieser merkwürdigen Zeit auf jeden Fall gehört haben sollte, um sich klar zu machen, dass das Leben etwas Wunderbares ist, was man nur ein Mal erleben kann.

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Alles andere, als tottraurig: Richard Roper – Das Beste kommt noch

Der melancholische Andrew Smith ist Angestellter bei der Nachlassverwaltungsbehörde eines Londoner Stadtteils. Beim Bewerbungsgespräch dazu hatte er gegenüber seinem Chef Cameron über sich berichtet, er sei Vater von zwei Kindern und glücklich mit seiner Frau Dianne verheiratet. Außerdem würde ihm seine zukünftige Tätigkeit aufgrund des Nutzens für die Menschen viel Freude bereiten. Nichts davon stimmte.

In Wahrheit ist Andrew Single und lebt allein – ähnlich, wie viele seiner verstorbenen Kunden. Er beschäftigt sich dafür ausgiebig mit seinem Hobby Modelleisenbahnen und tauscht sich gern mit anderen Eisenbahnliebhabern in einem Forum im Internet aus. Über seine fiktive Familie erfindet er im Laufe der Zeit gegenüber seinem Chef und den Kollegen immer neue Geschichten. So hält er seine Lüge aufrecht. Bis seine neue Kollegin Peggy bei ihm im Büro anfängt. Schon während der Einarbeitung bemerkt er, dass sie ihm gefällt. Doch leider ist die temperamentvolle Rothaarige verheiratet und denkt auch dasselbe von ihm. Dennoch versucht er sein Glück bei ihr, denn ein solcher Mensch wird ihm so schnell nicht wieder begegnen…

Irgendwie haben mich Andrews Lügengeschichten an etwas erinnert, was mir selbst vor etwas mehr als 15 Jahren widerfahren ist. Jemand, bei dem ich glaubte, ihn sehr gut zu kennen, hat sich im Nachhinein als riesengroßer Lügenbold herausgestellt. Meine Geschichte ging damals darum auch nicht so gut aus, wie die romantische Liebesgeschichte von Richard Roper es vermutlich tun wird. Ich will Euch natürlich nicht zu viel davon verraten.

Als Hörbuchinterpret hat sich, nach meinem Empfinden, Matthias Matschke als echter Glücksfall herausgestellt. Denn er versteht es hervorragend, die leisen humorvollen Zwischentöne aus der Geschichte heraus zu kitzeln. Das Beste kommt noch ist im Argon Verlag erschienen und als romantische Komödie fürs Wochenende (oder in der Corona Zwangspause) wärmstens zu empfehlen.

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Spionageermittlungen im deutschen Dreikaiserjahr: Axel Simon – Eisenblut

Als großer Fan des besten Hörbuchinterpreten, den die deutsche Audiobuchverlagslandschaft derzeit zu bieten hat, möchte ich gerne auf ein weiteres Leseprojekt von David Nathan eingehen. Dabei handelt es sich diesmal um etwas ganz Besonderes, nämlich einen historischen Spionage Krimi, der im deutschen Dreikaiserjahr 1888 in Berlin verortet wurde und im Argon Verlag erschienen ist.

Die Hauptrolle dabei spielt der verarmte ostpreußische Getreidejunker-Sohn Gabriel Landow und sein Helfer, der ehemalige Zikus-Trapezkünstler und mittlerweile einarmige Orsini. Beide sollen sich im Auftrag der Regierung auf die Suche nach dem Mörder dreier Staatsbediensteter machen, der immer noch nicht gefunden wurde. Hinter den Morden wird Spionage vermutet. Da Kaiser Friedrich III., Sohn Wilhelms I., mit Kehlkopfkrebs im Sterben liegt, wird vermutet, dass ausländische Kräfte bei seinem Tod noch ein wenig nachhelfen wollen.

Landow und Orsini machen sich, unabhängig voneinander, auf die Suche nach möglichen Verdächtigen. Dabei geraten sie, das eine oder andere Mal, in gefährliche Situationen, bei denen auch ihr Leben auf dem Spiel steht. Wird es ihnen gelingen, den Attentäter zu finden? Das müsst Ihr schon selbst beim Lauschen das elfeinhalbstündigen Argon-Hörbuches Eisenblut herausfinden.

Autor Axel Simon war in seinem Leben schon recht vielseitig unterwegs. Er hat Opern inszeniert und in einer Werbeagentur als Creative Director gearbeitet. Nun ist er unter die Autoren historischer Romane gegangen. Seinem Schreibstil merkt man jedoch auch seinen früheren Beruf als Werber deutlich an. Mit einer wunderbar bunten und lebendigen Ausdrucksweise bringt er selbst dem größten Geschichtsmuffel diese spannende Zeit in der deutschen Historie nahe.