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Wenn aus Freundschaft Besessenheit wird: Elisabeth Kay – Sieben Lügen

Was heißt es, von einem Menschen ganz und gar besessen zu sein? Wenn ein Mensch glaubt, ein anderer gehöre ihm. Wenn es sich dabei nicht mal um Mann und Frau handelt, sondern nur um beste Freundinnen. Dann könnte es sich dabei um den Roman Sieben Lügen von Elisabeth Kay handeln. Denn in diesem Roman erzählt Jane einer imaginären dritten Person von ihrem einmalig guten Verhältnis zu ihrer besten Freundin Marnie. Und von ihrer Eifersucht gegenüber Marnies Vorlobtem Charles, den sie von ganzem Herzen hasst und am liebsten umbringen möchte.

Er ist in dieser Hinsicht noch nicht mal der Einzige. Vor Charles hatte Marnie schon einige Freunde, die Jane wortlos aus ihrer Welt herausgeschafft hatte, ohne ihnen dabei auch nur ein Haar zu krümmen. Einfach, indem sie mit List und Tücke vorgegangen war. Charles allerdings gibt Jane auch mehr, als einmal die Gelegenheit dazu, ihn voll und ganz abzulehnen. Zur Hochzeit möchte er beispielsweise seine Mutter nicht dabei haben, weil sie krebskrank ist und er kranke Menschen hasst. Am Abend der Hochzeit fasst er Jane mit voller Absicht an die Brust. Natürlich ohne, dass Marnie es merkt.

Seine Wichtigtuerei vor Fremden mit seinen Erfolgen tut dazu noch ein Übriges. Jane sinnt nach Charles‘ Grabschereien auf eine Möglichkeit, diesen absolut verhassten Menschen ein für alle Male aus dem Verkehr zu ziehen. Schließlich ist Marnie IHRE Freundin und das soll auch so bleiben…

Um es gleich vorweg zu sagen: Elisabeth Kay ist mit ihrem bei Lübbe Audio erschienenen Hörbuch Sieben Lügen (brillant gelesen von Britta Steffenhagen) kein wirklicher Thriller, wohl aber eine interessante Persönlichkeitsstudie der Protagonistin Jane gelungen. Diese leidet ganz offensichtlich an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Das heißt, sie möchte ihre beste Freundin Marnie ganz für sich allein besitzen. Dabei stören andere Menschen natürlich vollends. Dass sie dabei noch nicht einmal vor einem Mord an Marnies Ehemann zurückgeschrecken will, ist ein weiteres Indiz für ihre krankhafte Weltsicht.

Mir hat bei dem gesamten Hörbuch zwar ein wenig die Spannung gefehlt, aber dafür bekam man Einblick in die Gedankenwelt eines oftmals nur heimlich agierenden besitzergreifenden Menschen, die sonst zumeist im Verborgenen bleibt. Das hat mir wiederum sehr gut gefallen.

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Vom nutzlosen Langweiler zum auftragskillenden Womanizer: Jussi Adler Olsen – Miese kleine Morde

Lars Hvilling Hansen war Dänemarks erster „First Class Auftragskiller“ und einer von der wirklich raffinierten Sorte. Wie es dazu gekommen war? Nun, von seiner Frau war der Frührentner als Langweiler bezeichnet worden. Das konnte und wollte er nicht auf sich sitzen lassen. Nachdem sie sich von ihm getrennt hatte, ging er erst einmal zum Haare schneiden, um ein anderer Typ zu werden und sich neu stylen zu lassen.

Der Friseur, der eigentlich Jens Sörensen hieß, nannte sich, dem Beauty Genre angemessen, François und war natürlich, ganz klischeemäßig, schwul. Dennoch hatte er für Frisuren und Beauty Behandlungen ein gutes Händchen, sodass ihn vor allen Dingen die Damen aus der gehobenen Gesellschaft aufsuchten, um sich hübsch machen zu lassen. Auch Lars war nach seiner hochprofessionellen Behandlung ein ganz neuer, selbstbewusster Mann geworden. Darum wurde er dort auch zum Stammkunden. Während eines Besuches bei François kam Lars ganz plötzlich eine grandiose Geschäftsidee. Mehrfach musste er mitanhören, wie einige Damen ihren Ehemann über den Jordan wünschten. Dafür waren sie auch bereit, ein gehöriges Sümmchen springen zu lassen.

Das war für Lars die Gelegenheit, sich künftig auf einfache Weise seine Brötchen zu verdienen. Als erstes krempelte er sein Leben komplett um, weil ihn reiche Damen zukünftig in der Rolle des tatkräftig zupackenden, verlässlichen Gigolos wahrnehmen sollten. Er erstellte Adresslisten mit den wichtigsten Schönheitssalons der Umgebung und überlegte sich detailliert, wie er sich bei seinen „Kundinnen“ anpreisen sollte als „Auftragsmörder erster Klasse“. Dann wagte er den nächsten Schritt.

Bei seinem nächsten Aufenthalt im Schönheitssalon lernte er Gitta kennen. Die wollte sich nur zu gerne ihres Mannes Frank entledigen. Bei der Frage der Bezahlung waren sich Lars und Gitta schnell einig. Also legte sich Lars in den nächsten Tagen auf die Lauer. Mithilfe eines Elektroschockgerätes wollte er dem Mann den Gar ausmachen. Ob ihm dieses und noch weitere Attentate gelingen sollten möchte ich an dieser Stelle nicht verraten…

Nur soviel: Jussi Adler Olsen hat sich mit seiner Crime Story Miese kleine Morde, erschienen als Hörbuch bei DAV und natürlich gelesen von Wolfram Koch, eine wirklich wunderbare schwarze Komödie ausgedacht. Da ich mittlerweile aus Krankheitsgründen auch Frührentnerin bin, wäre ich gerne bei Lars mit auf den Zug aufgesprungen, wenn es nicht so kriminell wäre. Das ist dann nämlich doch nichts für mich. Dennoch hat mir die Geschichte um Dänemarks First Class Auftragskiller sehr gut gefallen. Jedem, der gerne mal etwas Skurriles und Komisches hört, kann ich sie nur wärmstens ans Herz legen.