Artikel

Im niedersächsischen Niemandsland ist schwer was los: Horst Evers – Es hätte alles so schön sein können

Das fiktive Dorf Torfstede ist einer der wohl unbekanntesten Orte in Deutschland. Zumindest, was frei erfundene Statistiken angeht. Er ist mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit im niedersächsischen Niemandsland zwischen Bremen, Oldenburg und Osnabrück verortet. Zumindest vermute ich das. Denn in dieser Gegend ist der Autor und Sprecher dieses Hörbuches aufgewachsen.

Dass der mittlerweile schon sehr lange in Berlin ansässige Kabarettist Horst Evers ein wunderbarer Vorleser ist, beweist er jedes Mal wieder bei einer seiner Lesungen von grandios humorigen Alltagsbeobachtungen vor begeistertem Publikum. Ebenso hat er bereits mit dem König von Berlin einen wunderbar komischen und herrlich absurden Krimi geschrieben, der 2017 mit Florian Lukas in der Hauptrolle auch verfilmt wurde. Es hätte alles so schön sein können, wie schon der erste als Hörbuch von Evers persönlich vertonte Krimi erschienen im Argon Verlag, ist nun sein zweiter einmalig komischer, kriminalistischer Streich. Erneut eine Krimikomödie par Exellence, die hoffentlich auch wieder verfilmt wird.

Der Roman beginnt also im fiktiven Dorf Torfstede irgendwo im westlichen Niedersachsen. Im Dorf lebt der 17-jährige Schüler Marco, der seine Freizeit oft mit seiner besten Freundin Mareike verbringt. Beide sind typische Landeier, die das Dorfleben auf jeden Fall dem Großstadtleben vorziehen. Als nun der Hühnerfarmer und Großbauer Grohde eines schönen Tages von seinem eigenen Traktor überfahren wird und stirbt, ändert sich im Dorf einiges. Sein etwas außerhalb des Ortes liegendes Gehöft wird von seinen Angehörigen veräußert. Den Zuschlag erhält ausgerechnet eine Vertreterin des horizontalen Gewerbes aus Hamburg. So kommt es, dass schon bald ein Landbordell mit dem schönen Namen „Village Rouge“ vor den Toren Torfstedes öffnet.

Für Marco die Gelegenheit, auch einmal halb bekleidete Frauen aus der Nähe zu sehen. Es sucht sich einen Beobachtungsposten unweit des Hofes. Mithilfe eines kleinen Feldstechers kann er von dort aus problemlos das Geschehen vor Ort beobachten. Doch was er dort an einem der ersten Tage zu sehen bekommt, raubt ihm schier den Atem. Aus einem der oberen Fenster stürzt ein Mann mit Rockerbekleidung unsanft auf den Hinterhof und bleibt dort tot liegen. Kurze Zeit später kommt eine leicht bekleidete Schönheit aus dem Bordell gerannt, sieht den Toten und ist am Boden zerstört, weil sie ahnt, was ihr und ihren Kolleginnen von Seiten der Rocker-Gang nun drohen wird.

Sie bittet den sich zu erkennen gebenden Marco um Hilfe und stellt sich ihm als Jana vor. Dieser überlegt nicht lange und ruft Mareike zu Hilfe, weil diese schon einen Führerschein besitzt. Zu dritt wollen sie den Toten in seinem eigenen Auto aus dem Weg schaffen, damit er von seinen Kumpels und von der Polizei nicht gefunden wird. Auf diese Weise entwickelt sich die Geschichte zum Road Movie und zu einem richtigen Abenteuer…

Ich hatte beim Hören dieser herrlich verrückten Geschichte viel Spaß. Darum möchte ich sie Euch für einen verregneten oder verschneiten Wintertag wärmstens ans Herz legen.

Hörprobe

 

Artikel

Vom nutzlosen Langweiler zum auftragskillenden Womanizer: Jussi Adler Olsen – Miese kleine Morde

Lars Hvilling Hansen war Dänemarks erster „First Class Auftragskiller“ und einer von der wirklich raffinierten Sorte. Wie es dazu gekommen war? Nun, von seiner Frau war der Frührentner als Langweiler bezeichnet worden. Das konnte und wollte er nicht auf sich sitzen lassen. Nachdem sie sich von ihm getrennt hatte, ging er erst einmal zum Haare schneiden, um ein anderer Typ zu werden und sich neu stylen zu lassen.

Der Friseur, der eigentlich Jens Sörensen hieß, nannte sich, dem Beauty Genre angemessen, François und war natürlich, ganz klischeemäßig, schwul. Dennoch hatte er für Frisuren und Beauty Behandlungen ein gutes Händchen, sodass ihn vor allen Dingen die Damen aus der gehobenen Gesellschaft aufsuchten, um sich hübsch machen zu lassen. Auch Lars war nach seiner hochprofessionellen Behandlung ein ganz neuer, selbstbewusster Mann geworden. Darum wurde er dort auch zum Stammkunden. Während eines Besuches bei François kam Lars ganz plötzlich eine grandiose Geschäftsidee. Mehrfach musste er mitanhören, wie einige Damen ihren Ehemann über den Jordan wünschten. Dafür waren sie auch bereit, ein gehöriges Sümmchen springen zu lassen.

Das war für Lars die Gelegenheit, sich künftig auf einfache Weise seine Brötchen zu verdienen. Als erstes krempelte er sein Leben komplett um, weil ihn reiche Damen zukünftig in der Rolle des tatkräftig zupackenden, verlässlichen Gigolos wahrnehmen sollten. Er erstellte Adresslisten mit den wichtigsten Schönheitssalons der Umgebung und überlegte sich detailliert, wie er sich bei seinen „Kundinnen“ anpreisen sollte als „Auftragsmörder erster Klasse“. Dann wagte er den nächsten Schritt.

Bei seinem nächsten Aufenthalt im Schönheitssalon lernte er Gitta kennen. Die wollte sich nur zu gerne ihres Mannes Frank entledigen. Bei der Frage der Bezahlung waren sich Lars und Gitta schnell einig. Also legte sich Lars in den nächsten Tagen auf die Lauer. Mithilfe eines Elektroschockgerätes wollte er dem Mann den Gar ausmachen. Ob ihm dieses und noch weitere Attentate gelingen sollten möchte ich an dieser Stelle nicht verraten…

Nur soviel: Jussi Adler Olsen hat sich mit seiner Crime Story Miese kleine Morde, erschienen als Hörbuch bei DAV und natürlich gelesen von Wolfram Koch, eine wirklich wunderbare schwarze Komödie ausgedacht. Da ich mittlerweile aus Krankheitsgründen auch Frührentnerin bin, wäre ich gerne bei Lars mit auf den Zug aufgesprungen, wenn es nicht so kriminell wäre. Das ist dann nämlich doch nichts für mich. Dennoch hat mir die Geschichte um Dänemarks First Class Auftragskiller sehr gut gefallen. Jedem, der gerne mal etwas Skurriles und Komisches hört, kann ich sie nur wärmstens ans Herz legen.