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Von klein auf kriminell: Nele Neuhaus – Muttertag

Auf die Polizeikommissare Oliver von Bodenstein und Pia Sander kommt ein Fall zu, dessen Ausläufer bis hin in die achtziger Jahre zurückreichen. Dabei geht es um ein mittlerweile verstorbenes Ehepaar, das 30 Jahre lang Waisenkinder aus Kinderheimen aufgenommen, diese großgezogen und einen von ihnen unwissentlich zum Mörder gemacht hat. Denn innerhalb der letzten drei Jahrzehnte wurde im neuen Fall der beiden Hochheimer Kommissare fast jedes Jahr am Muttertag irgendwo in Deutschland eine junge Frau von ihrem Mörder in Frischhaltefolie gewickelt und in einem Gewässer ertränkt.

Vorab hatte die jeweilige junge Dame ein ungewolltes Kind zur Welt gebracht und dieses kurzerhand zur Adoption freigegeben. Als unter dem Hundezwinger hinter dem Haus des Ehepaares zwei weibliche Leichen gefunden werden beginnt für die beiden Ermittler ein Rätsel, in dem Kühltruhen und Computerhaker eine Rolle spielen und das sie schließlich bis hin zum Frankfurter Flughafen führen wird.

Wie von Nele Neuhaus gewohnt, ist es auch dieses Mal wieder ein äußerst komplizierter und sehr vertrackter Fall, bei dem auch Pia Sanders Schwester Kim involviert ist. Gerade darum hat es mir wieder riesigen Spaß gemacht, das immerhin fast 20 Stunden lange Hörbuch aus dem Hörbuch Hamburg Verlag, wie immer grandios gelesen von Oliver Siebeck, bis hin zur letzten Minute zu hören. Die Fälle dieser Autorin und ihres Ermittler Duos lohnen sich einfach. So war es auch dieses Mal der Fall. Ich kann Euch Muttertag also definitiv ans Herz legen.

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Im niedersächsischen Niemandsland ist schwer was los: Horst Evers – Es hätte alles so schön sein können

Das fiktive Dorf Torfstede ist einer der wohl unbekanntesten Orte in Deutschland. Zumindest, was frei erfundene Statistiken angeht. Er ist mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit im niedersächsischen Niemandsland zwischen Bremen, Oldenburg und Osnabrück verortet. Zumindest vermute ich das. Denn in dieser Gegend ist der Autor und Sprecher dieses Hörbuches aufgewachsen.

Dass der mittlerweile schon sehr lange in Berlin ansässige Kabarettist Horst Evers ein wunderbarer Vorleser ist, beweist er jedes Mal wieder bei einer seiner Lesungen von grandios humorigen Alltagsbeobachtungen vor begeistertem Publikum. Ebenso hat er bereits mit dem König von Berlin einen wunderbar komischen und herrlich absurden Krimi geschrieben, der 2017 mit Florian Lukas in der Hauptrolle auch verfilmt wurde. Es hätte alles so schön sein können, wie schon der erste als Hörbuch von Evers persönlich vertonte Krimi erschienen im Argon Verlag, ist nun sein zweiter einmalig komischer, kriminalistischer Streich. Erneut eine Krimikomödie par Exellence, die hoffentlich auch wieder verfilmt wird.

Der Roman beginnt also im fiktiven Dorf Torfstede irgendwo im westlichen Niedersachsen. Im Dorf lebt der 17-jährige Schüler Marco, der seine Freizeit oft mit seiner besten Freundin Mareike verbringt. Beide sind typische Landeier, die das Dorfleben auf jeden Fall dem Großstadtleben vorziehen. Als nun der Hühnerfarmer und Großbauer Grohde eines schönen Tages von seinem eigenen Traktor überfahren wird und stirbt, ändert sich im Dorf einiges. Sein etwas außerhalb des Ortes liegendes Gehöft wird von seinen Angehörigen veräußert. Den Zuschlag erhält ausgerechnet eine Vertreterin des horizontalen Gewerbes aus Hamburg. So kommt es, dass schon bald ein Landbordell mit dem schönen Namen „Village Rouge“ vor den Toren Torfstedes öffnet.

Für Marco die Gelegenheit, auch einmal halb bekleidete Frauen aus der Nähe zu sehen. Es sucht sich einen Beobachtungsposten unweit des Hofes. Mithilfe eines kleinen Feldstechers kann er von dort aus problemlos das Geschehen vor Ort beobachten. Doch was er dort an einem der ersten Tage zu sehen bekommt, raubt ihm schier den Atem. Aus einem der oberen Fenster stürzt ein Mann mit Rockerbekleidung unsanft auf den Hinterhof und bleibt dort tot liegen. Kurze Zeit später kommt eine leicht bekleidete Schönheit aus dem Bordell gerannt, sieht den Toten und ist am Boden zerstört, weil sie ahnt, was ihr und ihren Kolleginnen von Seiten der Rocker-Gang nun drohen wird.

Sie bittet den sich zu erkennen gebenden Marco um Hilfe und stellt sich ihm als Jana vor. Dieser überlegt nicht lange und ruft Mareike zu Hilfe, weil diese schon einen Führerschein besitzt. Zu dritt wollen sie den Toten in seinem eigenen Auto aus dem Weg schaffen, damit er von seinen Kumpels und von der Polizei nicht gefunden wird. Auf diese Weise entwickelt sich die Geschichte zum Road Movie und zu einem richtigen Abenteuer…

Ich hatte beim Hören dieser herrlich verrückten Geschichte viel Spaß. Darum möchte ich sie Euch für einen verregneten oder verschneiten Wintertag wärmstens ans Herz legen.

Hörprobe