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Eine Verschwundene und ihre menschliche Kopie: Max Bentow – Rotkäppchens Traum

Die aus wohlhabenden Hause stammende gutaussehende, in Berlin ansässige Kunstlehrerin Annie Friedmann gilt seit Jahren als verschollen. Seit einer Halloween-Party vor sieben Jahren wurde sie von niemandem mehr gesehen. Diese hatte sie zusammen mit ehemaligen Schulfreunden in ihrer Heimatstadt Blaubeuren in Bayern gefeiert.

Mit dabei war auch ihre Studienkollegin und Freundin Rebecca. Rebeccas Familie ist eher ärmlich. Deswegen musste sie schon während ihres Studiums in einem Schnellimbiss jobben. Annie hatte ihr gottseidank während ihres gemeinsamen Uniaufenthaltes angeboten, mit in ihre Berliner Eigentumswohnung zu ziehen. Darum hat sie auch nach Annies Verschwinden ein Dach über dem Kopf.

Annie war schon immer Rebeccas Vorbild. Darum hat sie nach und nach immer mehr ihr Aussehen und ihren Kleidungsstil übernommen. Als Annie verschwunden ist übernimmt sie kurzerhand ihren Namen sowie ihr Selbstbewusstsein und gibt unter Freunden und Kollegen an, sich einfach nur mal eine kurze Auszeit genommen zu haben.

Das geht so lange gut, bis das Gerücht aufkommt, dass die „echte“ Annie entführt und vermutlich ermordet wurde. Nun muss Rebecca befürchten, dass ihr falsches Spiel auffliegt…

Wenn Max Bentow nicht gerade wieder an einer Geschichte um seinen Kriminalkommissar Nils Trojan schreibt, dann fallen ihm auch so eine ganze Reihe von skurrilen Kriminalgeschichten und Thrillern ein. Wie die Geschichte um Annie und Rebecca.

Letztere könnte wahrscheinlich wirklich diejenige sein, die schon lange Zeit Rotkäppchens Traum geträumt hat. Wie das Ganze letztendlich ausgeht könnt Ihr Euch gerne im dazu vorliegenden Hörbuch aus dem Hörverlag anhören. Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen. Zudem hat sie mir so manchen trüben Reha-Tag erhellt.

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Von klein auf kriminell: Nele Neuhaus – Muttertag

Auf die Polizeikommissare Oliver von Bodenstein und Pia Sander kommt ein Fall zu, dessen Ausläufer bis hin in die achtziger Jahre zurückreichen. Dabei geht es um ein mittlerweile verstorbenes Ehepaar, das 30 Jahre lang Waisenkinder aus Kinderheimen aufgenommen, diese großgezogen und einen von ihnen unwissentlich zum Mörder gemacht hat. Denn innerhalb der letzten drei Jahrzehnte wurde im neuen Fall der beiden Hochheimer Kommissare fast jedes Jahr am Muttertag irgendwo in Deutschland eine junge Frau von ihrem Mörder in Frischhaltefolie gewickelt und in einem Gewässer ertränkt.

Vorab hatte die jeweilige junge Dame ein ungewolltes Kind zur Welt gebracht und dieses kurzerhand zur Adoption freigegeben. Als unter dem Hundezwinger hinter dem Haus des Ehepaares zwei weibliche Leichen gefunden werden beginnt für die beiden Ermittler ein Rätsel, in dem Kühltruhen und Computerhaker eine Rolle spielen und das sie schließlich bis hin zum Frankfurter Flughafen führen wird.

Wie von Nele Neuhaus gewohnt, ist es auch dieses Mal wieder ein äußerst komplizierter und sehr vertrackter Fall, bei dem auch Pia Sanders Schwester Kim involviert ist. Gerade darum hat es mir wieder riesigen Spaß gemacht, das immerhin fast 20 Stunden lange Hörbuch aus dem Hörbuch Hamburg Verlag, wie immer grandios gelesen von Oliver Siebeck, bis hin zur letzten Minute zu hören. Die Fälle dieser Autorin und ihres Ermittler Duos lohnen sich einfach. So war es auch dieses Mal der Fall. Ich kann Euch Muttertag also definitiv ans Herz legen.

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Verbrecherjagd 2.0 in London: Stephanie Marland – Wir sehen Dich

Ein traumatisches Erlebnis hat die in London lebende Clementine Starke zu einer einsamen Person gemacht. Um nicht gänzlich den Kontakt zu anderen Menschen zu verlieren, beschließt sie, sich im Internet einer Gruppe anzuschließen, die sich TrueCrimeLondon nennt. Die dortigen Mitglieder unterhalten sich im Netz über Verbrechen innerhalb der Stadt.  Sie gibt sich den Nickname „The Watcher“. Der Gruppengründer nennt sich „DeathStalker“ und gibt vor, Einblicke in polizeiliche Ermittlungen zu haben.

Ihm schwebt vor, sich online mit ausgewählten Mitgliedern der Gruppe zu vernetzen und mit ihnen gemeinsam der Polizei bei der Aufklärung eines Verbrechens zuvorzukommen. Innerhalb von London ist derzeit ein Serienkiller unterwegs, der es vorrangig auf junge Frauen abgesehen hat. Drei Morde gehen bereits auf sein Konto. Der Letzte geschah erst wenige Stunden zuvor. Die Presse hat dem Täter den Spitznamen „Der Lover“ verpasst. Diesen Kerl soll die Gruppe ausfindig machen. Clementine möchte dazu gehören und nimmt bereitwillig die Aufgaben an, die ihr der Gruppenchef erteilt. Bei ihrer Sichtung des aktuellen Tatorts macht sie auch entfernte Bekanntschaft mit Detektive Inspector Dominic Bell, der die Ermittlungen des zuständigen Polizeikommissariats leitet. Natürlich beachtet er sie nicht weiter.

Dafür begegnet sie außerdem einem älteren, fotografierenden Herrn, der sich ihr ebenfalls als Mitglied von TrueCrimeLondon vorstellt. Obwohl sie die Aufgabe hatte, Fotos vom Tatort zu machen, hat er diese Aufgabe bereits übernommen. Wütend wendet sie sich dennoch ihrer Aufgabe zu und läd ihre Fotos ebenfalls in den dafür vorbereiteten Ordner im Netz hoch. Danach macht sie sich auf ihrem Whiteboard Notizen zu allen Mitgliedern der Gruppe, die sie per Nickname schon kennt. Dabei fällt ihr auf, dass vor allem DeathStalker ein Mysterium bleibt. Er weiß viel über die Morde, verteilt Aufgaben und gibt sich dennoch bislang nicht zu erkennen. Sie fragt sich, was er zu verbergen hat.

Unterdessen ermittelt Detective Domenic Bell ebenfalls weiter in dem Fall der zuletzt getöteten Kate. Offenbar hatte sie ihren Mörder in einem Nachtclub kennengelernt, in dem sie zusammen mit ihrer besten Freundin etwas trinken gewesen ist. Doch mehr lässt sich über die Sache beim besten Willen nicht herausfinden. Genau, wie bei den anderen beiden Opfern. Es bleibt abzuwarten, wann sich Clementine und Dominic das nächste Mal begegnen und sich schließlich doch zusammentun, um den Fall miteinander zu lösen. Vorher wird Clementine ihrerseits allerdings dem Mörder verdammt nahe kommen…

Das Thema von Wir sehen Dich (erschienen ausschließlich als Download im Hörverlag) hat mich sofort angesprochen. Denn mir war bislang noch kein Hörbuch bekannt, in dem die Mitglieder eines Online-Forums sich miteinander verabreden und einen Mörder jagen. Eine coole Geschichte, die auf jeden Fall ihresgleichen sucht. Gelesen wird sie congenial von Uve Teschner und Luise Helm. Nachdem ich die Vita von Stephanie Marland gelesen hatte, wusste ich nun auch, wie sie auf diesen Thriller gekommen ist. Denn sie hat an der Uni zehn Jahre lang zu diesem Thema geforscht. Genauer gesagt, dazu, wie sich Menschen im Internet verhalten, wenn sie ihre wahre Identität nicht preisgeben müssen. Ich bin schon jetzt gespannt auf das nächste Buch aus Marlands Feder.