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Ein spannender Blick hinter die Polit-Kulissen – Markus Feldenkirchen: Die Schulz Story

Eigentlich bin ich kein besonders politischer Mensch (mehr), seitdem ich von einer kleinen niedersächsischen Landtagspartei ziemlich enttäuscht worden bin. Den ehemaligen Präsidenten des europäischen Parlaments fand ich jedoch immer irgendwie cool und gnadenlos ehrlich. Ich rede hier von Martin Schulz. Als er für mich ein wenig überraschend am 19. März 2017 zum Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten der SPD gekürt wurde, beschloss ich darum, am 24. September 2017 meine Kreuze auf dem Wahlzettel an der richtigen Stelle zu machen. Für mich als Arbeiterkind mittlerweile ohnehin eine Frage der Ehre.

Okay, er ist nicht Kanzler geworden. Das ging einigen seiner Vorgänger in den vergangenen Jahren seit Gerhard Schröder ja ganz ähnlich. Was mich jedoch verwundert hat: Warum spricht Schulz unmittelbar nach der Wahl davon, nun ganz klar in die Opposition gehen und seine Wähler nicht enttäuschen zu wollen, und ein halbes Jahr später, als Frau Merkel nach dem Scheitern von Jamaika nun doch die SPD braucht, hält er sich nicht zurück und will ganz plötzlich Außenminister werden?! Irgendwie merkwürdig, das Ganze. Hatte ich mich wirklich so in ihm getäuscht?

Eine Antwort auf diese und eine ganze Reihe weiterer Fragen habe ich durch das von Helmut Winkelmann eingespochene Spiegel-Hörbuch „Die Schulz-Story“ von Markus Feldenkirchen, erschienen im John Verlag, bekommen. Auch, warum Martin Schulz mittlerweile weder SPD-Parteivorsitzender, noch Außenminister, sondern nur noch einfacher Bundestagsabgeordneter ist und wie es zu diesem Absturz kam, lässt sich dort erfahren. Der Spiegel – Journalist Feldenkirchen hatte die Möglichkeit, Schulz ein gesamtes Jahr seit Beginn seiner Kandidatur zu begleiten. Aus seiner daraus resultierenden Reportage ist ein spannendes Buch geworden, durch das man einen interessanten Blick hinter die Kulissen des politischen Berlin und auch der SPD bekommt. Jedem politisch Interessierten (auch anderer politischer Couleur) kann ich es nur wärmstens ans Herz legen.