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Verbrecherjagd 2.0 in London: Stephanie Marland – Wir sehen Dich

Ein traumatisches Erlebnis hat die in London lebende Clementine Starke zu einer einsamen Person gemacht. Um nicht gänzlich den Kontakt zu anderen Menschen zu verlieren, beschließt sie, sich im Internet einer Gruppe anzuschließen, die sich TrueCrimeLondon nennt. Die dortigen Mitglieder unterhalten sich im Netz über Verbrechen innerhalb der Stadt.  Sie gibt sich den Nickname „The Watcher“. Der Gruppengründer nennt sich „DeathStalker“ und gibt vor, Einblicke in polizeiliche Ermittlungen zu haben.

Ihm schwebt vor, sich online mit ausgewählten Mitgliedern der Gruppe zu vernetzen und mit ihnen gemeinsam der Polizei bei der Aufklärung eines Verbrechens zuvorzukommen. Innerhalb von London ist derzeit ein Serienkiller unterwegs, der es vorrangig auf junge Frauen abgesehen hat. Drei Morde gehen bereits auf sein Konto. Der Letzte geschah erst wenige Stunden zuvor. Die Presse hat dem Täter den Spitznamen „Der Lover“ verpasst. Diesen Kerl soll die Gruppe ausfindig machen. Clementine möchte dazu gehören und nimmt bereitwillig die Aufgaben an, die ihr der Gruppenchef erteilt. Bei ihrer Sichtung des aktuellen Tatorts macht sie auch entfernte Bekanntschaft mit Detektive Inspector Dominic Bell, der die Ermittlungen des zuständigen Polizeikommissariats leitet. Natürlich beachtet er sie nicht weiter.

Dafür begegnet sie außerdem einem älteren, fotografierenden Herrn, der sich ihr ebenfalls als Mitglied von TrueCrimeLondon vorstellt. Obwohl sie die Aufgabe hatte, Fotos vom Tatort zu machen, hat er diese Aufgabe bereits übernommen. Wütend wendet sie sich dennoch ihrer Aufgabe zu und läd ihre Fotos ebenfalls in den dafür vorbereiteten Ordner im Netz hoch. Danach macht sie sich auf ihrem Whiteboard Notizen zu allen Mitgliedern der Gruppe, die sie per Nickname schon kennt. Dabei fällt ihr auf, dass vor allem DeathStalker ein Mysterium bleibt. Er weiß viel über die Morde, verteilt Aufgaben und gibt sich dennoch bislang nicht zu erkennen. Sie fragt sich, was er zu verbergen hat.

Unterdessen ermittelt Detective Domenic Bell ebenfalls weiter in dem Fall der zuletzt getöteten Kate. Offenbar hatte sie ihren Mörder in einem Nachtclub kennengelernt, in dem sie zusammen mit ihrer besten Freundin etwas trinken gewesen ist. Doch mehr lässt sich über die Sache beim besten Willen nicht herausfinden. Genau, wie bei den anderen beiden Opfern. Es bleibt abzuwarten, wann sich Clementine und Dominic das nächste Mal begegnen und sich schließlich doch zusammentun, um den Fall miteinander zu lösen. Vorher wird Clementine ihrerseits allerdings dem Mörder verdammt nahe kommen…

Das Thema von Wir sehen Dich (erschienen ausschließlich als Download im Hörverlag) hat mich sofort angesprochen. Denn mir war bislang noch kein Hörbuch bekannt, in dem die Mitglieder eines Online-Forums sich miteinander verabreden und einen Mörder jagen. Eine coole Geschichte, die auf jeden Fall ihresgleichen sucht. Gelesen wird sie congenial von Uve Teschner und Luise Helm. Nachdem ich die Vita von Stephanie Marland gelesen hatte, wusste ich nun auch, wie sie auf diesen Thriller gekommen ist. Denn sie hat an der Uni zehn Jahre lang zu diesem Thema geforscht. Genauer gesagt, dazu, wie sich Menschen im Internet verhalten, wenn sie ihre wahre Identität nicht preisgeben müssen. Ich bin schon jetzt gespannt auf das nächste Buch aus Marlands Feder.

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Ein Mord und die familiären Schwierigkeiten eines Kriminalkommissars: Dietrich Faber – Toter geht’s nicht

Nele Neuhaus und ihre superspannenden Taunus-Krimis kennt hierzulande fast jeder. Aber habt Ihr schonmal von Dietrich Faber und seinem ebenfalls in Hessen am Vogelsberg beheimateten Hauptkommissar Henning Bröhmann gehört? Nicht? Das sollte sich ändern!

Jedenfalls dann, wenn man auf Krimikomödien und auf verkorkste Familiengeschichten mit quengelnden Kindern und ans Meer fliehenden Ehefrauen steht. Denn der erste bei Random House Audio erscheinene Bröhmann-Krimi Toter geht’s nicht enthält Elemente von beidem und das gepaart mit dem Mordfall an einem Karnevalsteilnehmer, in den sehr wahrscheinlich ein regional bekannter Schlagersänger involviert ist. Dieser Schlagerstar nennt sich „Herr Bert“ und hatte mit seinem Lied „Lass uns fummeln, Pummel“ bereits einen Bierzelte weiten Hit.

Hauptkommissar Bröhmann muss sich mit seiner jungen Kollegin Miriam Meisler auf die Suche nach dem Täter machen, denn sein „Lieblingskollege“ Markus Meirich fällt für unbestimmte Zeit aus, nachdem er erfahren muss, dass seine kleine Tochter schwer krank ist. An Bröhmann bleibt nun nicht nur die Fürsorge für den Rest seiner eigenen Familie hängen, sondern auch die Ermittlungsarbeit für einen Fall, der ihm alles andere, als behagt. Als er mit seiner Kollegin den Schlagersänger ausfindig gemacht hat und zum Verhör bittet, stellt sich zu allem Überfluss auch noch heraus, dass dieser ihn schon seit seiner Kindheit kennt. Wie soll er diesen Mann nun als vermeintlichen Täter überführen? Und wie soll es zudem mit seiner Noch-Ehefrau Franziska weitergehen?

Diese und weitere Fragen lassen sich nur beantworten mit: Reinhören und selber schmunzeln! Dieser Kommissar und seine mittlerweile fünf erschienenen Fälle sind es echt wert! Man merkt, dass Autor Dietrich Faber hauptberuflich selbst im komödiantischen Fach unterwegs ist. Ich als Freundin des guten Humors liebe dererlei komische Geschichten, die die graue Alltagswelt mit all ihren großen und kleinen Problemen einfach mal satirisch aufs Korn nehmen.

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Wenn ein Lebensmittelkontrolleur zum Schnüffler wird – Rezension zu Oliver Kern: Eiskalter Hund

Eigentlich bin ich ja mehr so der norddeutsche Küstenliebhaber. Auch, was Krimis angeht. Aber wenn mir ein interessanter süddeutscher Titel über den Weg läuft, dann mache ich gerne mal eine Ausnahme. Diese zum Beispiel: Das bei Random House Audio erschienene Hörbuch „Eiskalter Hund“ von Oliver Kern spielt im Bayerischen Wald und kann einen typisch gradlinigen, grantelnden Ureinwohner als Ermittler vorweisen. Sein Name ist Fellinger und sein „Ich“ – Erzähler wird gelesen von Michael Schwarzmaier, der vielen Hörbuch-Fans durch die Lesungen der Krimis von Andreas Föhr ein Begriff sein wird. Fellinger ist Lebensmittelkontrolleur, wollte aber als Kind eigentlich Polizist werden. Daran hat ihn ein ewig kränkeldes Knie gehindert.

Darum führt er nun für das Gesundheitsamt Kontrollen bei Restaurants, lebensmittelverarbeitenden Betrieben und Imbissen durch. Sein Spürsinn hat ihn natürlich auch in diesem Metier nie verlassen. Darum ist die Neugier bei ihm geweckt, als sich ein anonymer Anrufer über das ortsansässige chinesische Restaurant bei ihm beklagt. Als er der Sache auf den Grund gehen will, stellt er zunächst fest, dass die schwarze Soße der Chinesen zwar eklig, aber unbedenklich ist.

Ganz anders sieht es mit dem Kühlhaus des Restaurants aus. Dort hängt ein fachmännisch ausgeweiteter toter Hund am Haken. Auf Nachfrage gibt der Besitzer des Restaurants kleinlaut zu, dass der Hund unabsichtlich überfahren wurde und nun zum Festmahl für die chinesische Familie werden soll. Fellingers weitere Nachforschungen ergeben, dass die Besitzerin ihrerseits verschwunden ist. Von der Tochter erfährt er wenig später, dass diese angeblich in einem Ashram in Indien weilt. Nun ist das Ermittlerherz in ihm geweckt. Er macht sich auf die Suche, um die Wahrheit herauszufinden…

Mit Fellinger tritt eine neue, wunderbar grantlige, typisch bayrische Spürnase auf den Plan. Der Fall selbst scheint eigentlich gar nicht so wichtig zu sein. Viel wichtiger ist das ewig ratternde Hirn des selbst ernannten Ermittlers. Und der lässt uns genauso gerne an seiner Vergangenheit teilhaben (z. B. „Aktenzeichen XY“), wie auch an der aktuellen Situation. Ob er auf die Spur der Besitzerin des Hundes kommen und wie sich die ganze Sache klären wird, möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Hört doch einfach mal in den Fall rein. Ich kann Euch auf jeden Fall eine ganze Menge Spaß und viel grandiose bayerische Mundart garantieren.

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