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Punk is not dead! It’s still alive! – – – Bad Assumption

Seit Wochen warte ich nun schon mit ähnlicher Vorfreude wie ein Teenager auf das im Februar erscheinende neue Album Father of All… der tatsächlich schon seit 31(!) Jahren existierenden amerikanischen Punkband Green Day. Als Teenager habe ich ihre Musik ja auch kennen- und liebengelernt. Das verbindet uns bis heute. Als ich mir gestern auf YouTube das Video zu Oh Yeah!, der ersten daraus erschienenen Single, angesehen habe, wurde im anschließenden Werbeblock das Video zu einem Song gezeigt, der sich sofort in meinem Gedächtnis festgesetzt hat. Das Lied heißt Far from Home und die dazugehörige, ebenfalls ziemlich punkig klingende Band nennt sich Bad Assumption.

Sofort war mein Rechercheinstinkt geweckt, denn die Gruppe konnte es noch keine 31 Jahre geben. Dann wäre sie mir medial sicher schon begegnet. Außerdem konnte ich noch keinen Wikipedia-Eintrag zu den Jungs finden. Dennoch klingen sie so dermaßen cool, als hätte ein echter Punk-Experte sie unter Vertrag genommen. Was ich dann als Erstes nachlesen konnte, war, dass die Gruppe nicht aus Amerika, sondern aus Münster stammt, drei Mitglieder (wie Green Day) hat und sich eigentlich dem Melodic Hardcore als Musikrichtung zugewandt hatte.

Dennoch haben sie für ihre erste Single dann doch den guten, alten Punk für sich entdeckt. Was ich außerdem noch herausfinden konnte, war, dass die Jungs am 28. Februar 2020 ihr Debütalbum Angst herausbringen und einen Tag später, am 29. Februar 2020 ein Konzert im Skaters Palace in Münster geben werden. Ich wünsche ihnen jedenfalls, dass darauf noch viele Weitere folgen werden.

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Herrlich durchgeknallt, fast wie ein Hardcorecomic aus dem Hause EEE: Bela B. Felsenheimer – Scharnow

Dass Farin Urlaub schon mehrere umfangreiche Fotobände von seinen Reisen veröffentlicht und sein Bandkollege Rodrigo kürzlich eine Dokumentation über die Musik in seiner Heimat Chile gedreht hat dürfte echten Fans der Ärzte geläufig sein. Auch, dass Bela B. bis vor Kurzem sein eigenes Comic Label betrieben und im vergangenen Jahr ein Live Hörspiel mit dem Titel Sartana – noch warm und schon Sand drauf auf die Bühne gebracht hat, weiß man einfach als Fan der „besten Band der Welt“. Richtig gespannt bin ich derzeit auf den Ausgang des Buchstabenrätsels auf ihrer Homepage. Dabei tippe ich mittlerweile auf das Wort ABSTRAKT, kann aber nicht erklären, warum.

In der Zwischenzeit werde ich jetzt erst einmal Bela B.’s Debütroman Scharnow rezensieren, den er unter seinem Künstler- und seinem wahren Nachnamen Felsenheimer veröffentlicht hat. Das Hörbuch hat er persönlich zusammen mit der Radiomoderatorin Silke Super eingelesen. Ach ja, meine Rezension möchte ich übrigens Sascha widmen, der mir die Welt der Comics nahe gebracht hat und der mit mir bei den MTV Hardpop Days 2000 in Garbsen bei Hannover gewesen ist, bei denen Die Ärzte Headliner waren. Er hat heute Geburtstag… Am 25. Februar 2019 hatte Bela B.’s 416-seitiges Romandebüt Premiere, bei dem ich sehr froh und dankbar bin, dass er es zum Hörbuch gemacht hat. Erschienen ist Scharnow in der Hörfassung bei Random House Audio und in der Schriftform bei Heyne Hardcore.

Letzteres ist vor allem der sehr direkten Sprache zu verdanken, die er für die Schilderung der dortigen Geschehnisse verwendet. Einige der geschilderten Ereignisse sind zudem nicht ganz jugendfrei. Aber auch das macht den Charme dieser Geschichte aus. Oder soll ich besser sagen: Dieser Geschichten? Denn eigentlich sind es viele kleine Begebenheiten, die an einem bestimmten Tag X in diesem kleinen, fiktiven Ort in Brandenburg stattfinden. Geeint werden sie in erster Linie durch ein einzelnes Buch. Ein ganz besonderes Buch. Nämlich eins, was seine Leser umbringt. Immer dann, wenn einer der Charaktere dieses Buch in die Hände bekommt, lebt er nicht mehr lange. Ansonsten spielt noch ein türkischer Verkäufer in einem Kiosk, eine junge Dame, in die er sich verliebt, ein an Leukämie erkrankter fliegender Superheld und eine Gaunerbande, die den einzigen Supermarkt von Scharnow überfällt, eine nicht unwesentliche Rolle.

Bela B. hat zwar nach eigener Aussage etwas mehr als zwei Jahre gebraucht, um das Buch zu schreiben. Aber das, was er da zustande gebracht hat, das haut richtig rein. Ungefähr vergleichbar mit „Schrei nach Liebe“ nach fünf Jahren Bandpause der Ärzte. Die Geschichte besteht zwar aus vielen kleinen unabhängigen Einzelepisoden, aber das Konglomerat aus Allem ist grandios geworden. Eine comichaft auf die Spitze getriebene Liebeserklärung an seine eigene Kindheit und Jugend in Spandau. Viel wichtiger als eine durchgehende, übersichtliche Handlung sind hier vor allen Dingen die Typen, die nach und nach auf der Bildfläche erscheinen. Möglicherweise hat es den einen oder die andere Person tatsächlich einmal in ähnlicher Form gegeben. Zum Beispiel einen gewissen Jan Uwe, der mich verdächtig an Farin Urlaub (bürgerlich Jan Ulrich Max Vetter) erinnert hat.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Auch deshalb, weil es überhaupt nicht vergleichbar mit irgendetwas ist, was man im Moment sonst so auf dem Büchermarkt findet.

Ach ja – und Die Ärzte machen übrigens nach sieben Jahren Schaffenspause auch wieder zusammen Musik. Selbstverständlich gleich im ersten Song mit dem Vorschlag, dass die Menschheit zum Wohl der Tiere aussterben möge. Die Melodie des Liedes klingt für mich übrigens wie eine leicht beschleunigte Variante des Songs „Lost in Translation“ der norwegischen Elektro-Combo Apoptygma Berzerk aus dem Jahre 2005. Aber im Covern sind die Jungs aus Berlin ja sehr gut. Man denke nur an ihr Bangles-Cover „Geh’n wie ein Ägypter“ aus den Achtzigern. Außerdem ist der deutsche Text auch in diesem Falle wieder wesentlich besser.

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Mara Bellinskys erster Fall in Frankfurt am Main: Leo Born – Blinde Rache

Mara Billinsky sieht aus wie eine Mischung zwischen Punk und Gothic. Sie liebt laute Musik und lässt es bei entsprechenden Konzerten gerne heftig krachen. Dennoch ist sie Polizistin bei der Kriminalpolizei. Vor kurzem hat sie sich von Düsseldorf in ihre Heimatstadt Frankfurt am Main zurückversetzen lassen. Hier wird sie von ihren Kollegen vor allem wegen ihres Aussehens „die Krähe“ genannt.

Von ihrem Chef – Hauptkommissar Rainer Klimmt – bekommt sie zum Einstand den Auftrag, zusammen mit ihrem Kollegen Jan Rosen den Mord an Ivo Karevic, den Boss der in Frankfurt agierenden kroatischen Mafia, aufzuklären. Ihr Job führt sie tief hinein in die Unterwelt von Frankfurt. Ins Drogenmilieu und auch in einen der hiesigen Nachtklubs. Dort trifft sie auf ein paar Prostituierte, für die Ivo ganz klar ein Begriff war. Zum Beispiel Isabel, die sogar eine eigene Bleibe und ein schönes Leben durch Ivo bekommen hat. Doch es soll nicht bei dem einen Mordfall bleiben. Wie schon bei Karevic wird auch bei dem zweiten und dem dritten Mordopfer eine ähnlich fantasievolle Art des Folterns und des Mordens gewählt. Ganz so, als wollte man den Ermittelnden irgendetwas damit sagen…

Die Story plätscherte lange Zeit einfach nur so an mir vorbei. Doch mit einem Mal nahm der Kriminalfall rund um Mara Billinsky plötzlich Fahrt auf. Jetzt wurde es also doch noch spannend. Kurz nachdem sie das Grab ihrer Mutter besucht und ihren alten Jugendklubtreff aufgesucht hatte, wurde die Geschichte plötzlich so fesselnd, dass ich nicht mehr aufhören konnte, zuzuhören. Das hatte vor allen Dingen mit einem gewissen Raphael zu tun, von dem ich am Anfang der Geschichte auch schon einmal etwas gehört hatte. Aber, ich will nicht weiter vorgreifen. Hört Euch die Geschichte am besten selbst an.

Die von Sabina Godec gelesene und als CD und Download bei Lübbe Audio erschienene Story Blinde Rache ist übrigens der Anfang einer Triologie. Der Nachfolger Lautlose Schreie ist auch schon in gedruckter Form auf dem Markt. Leo Born ist mit Mara Billinsky wirklich eine grandiose Ermittlerin gelungen, die ein wenig an Lisbeth Salander von Stieg Larsson erinnert. Ich persönlich bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung der Geschichte rund um die Frankfurter Ermittlerin.