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Wem kannst du noch trauen? Taylor Adams – No Exit. Diese Nacht überlebt Du nicht.


In den Bergen von Colorado gerät die junge Kunststudentin Darby Thorne kurz vor Weihnachten mit Blue, ihrem schon etwas betagten Honda Civic, in einen Schneesturm. Sie war auf dem Weg zu ihrem Zuhause in Utah, wo ihre krebskranke Mutter Maya gerade in eine Klinik eingeliefert wurde. Doch der Sturm macht ihr einen Strich durch die Rechnung und sie muss Zuflucht in einem Motel suchen. Im Gastraum des Motels haben noch vier weitere Personen Rettung vor dem Schnee und der eisigen Kälte gefunden. Drei Männer, einer davon schon recht alt und dessen etwa gleichaltrige Frau. Die beiden anderen um die 30 Jahre.

Darby macht sich noch einmal draußen auf die Suche nach einem möglichen Handysignal, um ihrer älteren Schwester eine SMS zu schicken. Sie sucht auch in der Nähe von ihrem Auto. Dabei führt sie ihr Weg über den Parkplatz an einem grauen Lieferwagen vorbei. Plötzlich erschreckt sie ganz furchtbar. Gegen die hintere Scheibe des Lieferwagens klatscht von innen eine zierliche, kleine Hand. Kurze Zeit später erscheint ein ängstliches Gesicht am Fenster. Es ist ein Kind, genauer gesagt ein kleines Mädchen, das ganz offensichtlich in dem Auto gefangen ist. Darby ist total durcheinander und kehrt erst einmal in den Gastraum zurück.

Dort beschließt sie, das Kind zu retten. Ashley, einer der beiden jungen Männer, soll ihr dabei helfen. Dieser soll Lars, den anderen jungen Mann und offensichtlich Besitzer des Wagens, außer Gefecht setzen. Doch schon kurze Zeit später wird ihr bewusst, dass dies keine gute Idee gewesen ist. Denn Ashley und Lars scheinen sich sehr gut zu kennen. Mehr noch, sie sind Brüder. Ohne es zu ahnen, hat sich Darby damit in Lebensgefahr begeben. Nun ist also nicht nur der Schnee zu einem immer größer werdenden Problem für sie geworden…

Taylor Adams ist mit No Exit (dt. Kein Ausweg) etwas gelungen, was noch nicht viele Autoren bei mir geschafft haben. Ich musste unbedingt wissen, wie die Geschichte ausgeht. So spannend und nervenaufreibend war die Handlung. Hörbuchsprecherin Britta Steffenhagen schafft es überdies, mit ihrer wandlungsfähigen Stimme die Spannung wunderbar aufrecht zu erhalten. Dieses bei Random House Audio erschienene Hörbuch und auch das bei Heyne erschienene Taschenbuch kann ich Euch nur wärmstens ans Herz legen. Genau die richtige Story für kalte Wintertage.

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Die Leichtigkeit des Seins wird mit dieser Geschichte fassbar: Stephen King – Erhebung

Mit 14 Jahren wurde ich das erste Mal mit dem Werk von Stephen King konfrontiert. Damals lief bei uns im Kino gerade der Film „Friedhof der Kuscheltiere“ an. Schon, als ich im Fernsehen Ausschnitte davon sah, bekam ich Panik. Horror ist nämlich überhaupt nicht mein Genre. Darum habe ich seither sämtliche Bücher von Stephen King und auch Filme, die daraus entstanden, gemieden.

Heute bin ich 30 Jahre älter, habe in meinem Leben selbst auch schon einigen Horror durchlebt und hatte nun das Gefühl, dass es an der Zeit ist, auch einmal einem Hörbuch von Stephen King eine Chance zu geben. Außerdem machte mich das Cover von Erhebung irgendwie neugierig.

Vertont wurde das bei Heyne erschienene Buch bei Random House Audio von David Nathan, der mir seinerseits sogar das Telefonbuch von Berlin vorlesen könnte; es wäre plötzlich spannend. Kein Wunder also, dass das Hörbuch grandios geworden ist. Zusammengefasst handelt es von Scott, einem Mann aus Castle Rock, der wie durch ein Wunder immer leichter und leichter wird. Wohin ihn das führt, das könnt Ihr Euch am besten selbst anhören.

Mir hat die dreieinhalbstündige Geschichte sehr gut gefallen. Glücklicherweise für mich war dieses Mal eher Spannung und Ungewissheit, als Horror im Spiel. Aber auch dieses Genre beherrscht Stephen King wahrlich meisterhaft. Mein Fazit: Es ist nie zu spät im Leben, jemandem eine Chance zu geben.

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Ein grausames Monster geht um: Alex North – Der Kinderflüsterer

Eigentlich bin ich kein Freund von Horrorgeschichten. Aber diese Story hat selbst mich in den Bann gezogen. Dabei fängt es eigentlich ganz harmlos an…

Tom Kennedy bezieht gemeinsam mit seinem siebenjährigen Sohn Jake ein neues Haus in dem kleinen englischen Ort Featherbank. Tom hatte sich dazu entschieden, umzuziehen, weil tragischerweise in ihrem alten Haus seine Frau Rebecca durch einen Treppensturz zu Tode gekommen ist. Außerdem hatte der kleine Jake seine Mutter nach ihrem tödlichen Unfall am Fuß der Treppe gefunden.

Um ihn in Zukunft nicht immer wieder an das grausige Erlebnis zu erinnern, beschließt Tom, ein neues Haus für sich und Jake zu suchen. Der Familienvater, der sein Geld als Autor verdient, findet schließlich ein schönes Häuschen in dem kleinen beschaulichen Ort. Allerdings muss er durch verschiedene Leute aus dem Ort erfahren, dass Featherbank leider gar nicht so beschaulich ist, wie es zunächst den Anschein erweckt. Vor genau 20 Jahren trieb ein Kinderschänder im Ort sein Unwesen, auf dessen Konto die Leichname von vier kleinen Jungen gehen. Aufgrund seiner Methode, die Kinder gefügig zu machen, wird er bis heute Der Kinderflüsterer genannt.

Mittlerweile geht offenbar ein Nachahmer im Ort um, denn schon wieder ist ein kleiner siebenjähriger Junge verschwunden. Der frühere Täter sitzt derzeit im Gefängnis. Er kann es also nicht gewesen sein. Als Jake plötzlich anfängt, merkwürdige Geräusche zu hören, Fratzen am Fenster zu sehen und Selbstgespräche zu führen, beginnt Tom sich zu fragen, ob die Bezeichnung „Gruselhaus“, wie diverse Leute aus dem Ort es nennen, für ihr neues Zuhause wirklich zutrifft…

Der studierte Philosoph und ehemalige Universitätsmitarbeiter Alex North aus dem englischen Leeds hat sich mit dieser Geschichte einen Kindheitstraum erfüllt. Er wollte schon immer als Autor arbeiten. Das sollte er auch auf jeden Fall weitermachen. Mit seinem ersten Thriller ist ihm ein grandioses und außerdem im Zeitkontext sozialkritisches Werk gelungen, das auf Deutsch nicht minder großartig von Stefan Kaminski als Hörbuch für Random House Audio eingelesen wurde. Ich freue mich schon auf die nächste Erzählung aus der Feder von Alex North.