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Eine bitterböse satirische Auseinandersetzung mit Europas Flüchtlingskrise: Timur Vermes – Die Hungrigen und die Satten

Timur Vermes hat mit Die Hungrigen und die Satten (erschienen bei Lübbe und Lübbe Audio) eine ganz besondere Satire auf die Flüchtlingskrise geschrieben. Der Autor von Er ist wieder da hat sich die Frage gestellt, was wohl passieren würde, wenn ein Fernsehteam des deutschen Privatfernsehens nach Afrika führe und dort sein bekanntestes Reality-TV-Gesicht eine Reportage über die Flüchtlinge drehen ließe. Die fiktive weibliche Hauptperson der Reportagereise heißt Nadesch Hackenbusch und ist eine ungefähre Mischung aus Margarete Schreinemakers, Vera Int-Veen und Verona Feldbusch. Für die Fernsehzuschauer ist sie „Der Engel im Elend – Sie geht dahin, wo es besonders weh tut“.

So ist sie auch mit ihrem Team an die Grenze Europas gereist und wird dort herzlich von den vielen Flüchtigen empfangen, die ihrerseits darauf warten, dass Europa ebendiese Grenze wieder öffnet. Gerade zu der Zeit, in der Frau Hackenbusch an der Grenze aufkreuzt, ist diese nämlich geschlossen. Denn Europa hat Angst vor den Flüchtlingen, die nun in einem großen Camp ihr Dasein fristen. Vor allem vor denjenigen, die nur deswegen kommen, weil in ihrem eigenen Land Hunger und Elend herrschen. Darum hoffen sie natürlich auf ein besseres Leben in Europa. Europa hat jedoch schon lange vergessen, dass es auch selbst einen großen Anteil an dem Elend der Menschen in Afrika hat. Nadesch Hackenbusch krempelt zunächst einmal die Ärmel hoch, um der örtlichen Krankenstation im Lager unter die Arme zu greifen.

Einer der Flüchtlinge fungiert als Übersetzer und zeigt auch sonst reges Interesse an der Dame aus Deutschland. Sie nennt ihn der Einfachheit halber Lionel und ist auch sonst ziemlich angetan von dem Mann. Das wiederum gefällt weder den Mitarbeitern ihres Teams, noch dem Sender in Deutschland, für den sie arbeitet. Darüber hinaus ist auch die deutsche Politik auf die Hackenbusch aufmerksam geworden. Denn ihre mittlerweile täglich ausgestrahlte Reportage aus dem Flüchtlingscamp hat sich zu einem echten Quoten-Hit entwickelt. Sogar im deutschen Innenministerium hat man mittlerweile Wind von der Sache bekommen…

Mir haben sowohl Buch, Hörbuch, als auch Download (exklusiv von Audible) vor allem deswegen gut gefallen, weil A. die Geschichte originell ist, B. das Hörbuch grandios von Christoph Maria Herbst dargeboten wird und C. Timur Vermes sich mit dieser Satire im Vergleich zu seinem ersten Buch noch einmal selbst übertroffen hat. Ich bin schon jetzt sehr gespannt darauf, was ihm als Nächstes einfallen wird. Vielleicht eine Persiflage über das Gerangel dreier Kandidaten um die Nachfolge von Frau Merkel auf den CDU-Vorsitz, wie wir es bis gestern erleben durften. Ich lass mich jedenfalls überraschen.