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Der Lebensweg eines Unheil bringenden Matrosen: Sabine Thiesler – Versunken

Dieser Thriller von Sabine Thiesler ist zwar schon ein paar Jahre alt, aber nachdem ich Zeckenbiss von ihr wahrlich genossen hatte, musste ich ihn einfach hören. Außerdem wird die spannende Handlung dieses Mal von David Nathan gelesen. Also konnte ich mit dem Hörbuch wirklich gar nichts falsch machen. Wie bei fast allen Erzählungen aus Sabine Thieslers Feder findet auch hier ein Großteil der Geschichte rund ums Mittelmeer statt und der italienische Inspektor Neri ist ebenfalls wieder mit von der Partie.

Alles beginnt jedoch an der deutschen Nordseeküste. Hier lebt der kleine Malte zusammen mit seinen Eltern in einem etwas abgelegenen Haus hinterm Deich. Schon früh liebt er es, zusammen mit einem mit der Familie befreundeten Fischer nach draußen auf die See zu fahren und dessen Netze einzuholen. Als er sieben Jahre alt ist, kehren die Eltern eines Abends von einer Einkaufstour nicht mehr nach Hause zurück. Sie hatten mit ihrem Auto einen Unfall, bei dem der Wagen in einen See gestürzt ist und beide jämmerlich ertrunken sind.

Nun ändert sich Maltes Leben drastisch. Das Jugendamt sprich das Sorgerecht für ihn seiner Tante zu, die in einem Hamburger Hochhaus lebt. Sie ist Arzthelferin und arbeitet meist bis zum späten Abend. Fortan muss er bei ihr in ihrer beengten kleinen Zweizimmerwohnung aufwachsen. Dabei wird er nicht nur von ihr, sondern auch von Mitschülern gedemütigt. Als er 18 Jahre alt wird, entflieht er der Enge des Hochhauses und rächt sich zuvor an seiner Tante.

Auf einem Binnenschiff lernt er dann das Handwerk des Matrosen. Danach fährt er zur See. Auf einem Containerfrachter provoziert er dabei einen Streit mit einem Chinesen. Vor diesem Mann und dessen Gefolgschaft muss er schon in Kürze fliehen. Das Schiff befindet sich zu diesem Zeitpunkt gerade vor der Insel Korsika im Mittelmeer. Malte kann sich retten und lernt schon kurze Zeit später an Land den deutschen, ehemaligen Unternehmer Werner Faenzi kennen. Dieser ankert dort mit seiner Yacht Aurora.

Malte bietet ihm seine Hilfe an. Werner, der auf seine Frau Vivian, eine in Nizza tätige Kostümbildnerin, wartet, nimmt die Hilfe gerne an, ohne zu wissen, was für einen Matrosen er sich da an Bord geholt hat. Denn auch Malte würde gerne einmal ein Schiff, wie die Aurora besitzen. Außerdem hat er auch sonst schon so einiges auf dem Kerbholz, von dem der Schiffseigentümer nicht das Geringste ahnt…

Sollte ich es in meinem Leben noch einmal schaffen, ein Buch zu schreiben, dann werde ich mir diese Autorin zum Vorbild nehmen. Sabine Thiesler ist eine grandiose Erzählerin, bei deren Geschichten man einfach nur voller Faszination dran bleiben will, weil sie einfach in jeglicher Hinsicht spannend sind. Außerdem schafft sie es, vielschichtige Charaktere zu erschaffen, die ganz nah am wahren Leben dran sind. Bei Malte fühlte es sich für mich an, als wäre ich mit ihm durchs Leben gegangen.

Auch Thieslers Schilderungen der italienischen Häfen sind schon alleine des Hörens wert. Sogar die Ehekräche des ermitteln Inspektors Neri haben hohen Unterhaltungswert. Ich freue mich schon auf Ihr nächstes Hörbuch, das sie auch gerne wieder selbst einlesen darf. Denn, dass David Nathan spannende Hörbücher, wie Versunken (erschienen bei Lübbe Audio) mit seiner Stimme erschaffen kann, das weiß man ohnehin sehr schnell, wenn man Hörbuchfan ist.

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Urlaubsfreuden werden zum Alptraum: Mark Franley – Heuchler

Nürnberg im Mai 2012: Die Stadt wird von einem sadistischen Serienkiller in Atem gehalten, der sich vorwiegend an kleinen Jungen vergreift. Als Hauptkommissar Mike Köstner und sein Kollege Peter Groß das vermeintliche Versteck des hochintelligenten Täters ausfindig machen, werden sie von einer bösen Falle überrascht. Dabei stirbt ein weiterer Junge und Kommissar Peter Groß landet im Krankenhaus. Hauptkommissar Köstner wird daraufhin vom Leiter des Kommissariats in den Urlaub geschickt.

Nach kurzem Widerstand entscheidet sich der Kommissar, gemeinsam mit seiner Familie in den Urlaub nach Finnland zu fahren. Dort mietet sich die Familie in der Nähe eines idyllischen Sees ein Ferienhaus. Der achtjährige Felix und seine Schwester Katja, 16 Jahre alt, sind begeistert. Auch Köstners Frau Petra, die grosser Finnland-Fan ist, freut sich auf die gemeinsame Zeit mit ihrem Mann und den Kindern.

Was sie alle nicht ahnen können: Der Täter ist ihnen aus Nürnberg gefolgt und muss erfreut feststellen, dass sie in das Land fahren, in dem er sich schon seit Jahren immer wieder versteckt. Mehr noch: Er kennt sich sogar sehr gut aus in der Gegend, in der Mike und seine Familie ihren Urlaub verbringen wollen. Daraufhin beschließt er, dem Kommissar einen Denkzettel zu verpassen, den er und auch seine Liebsten nicht mehr so schnell vergessen werden …

Was es bei dieser Geschichte mit dem Titel Heuchler auf sich hat, das müsst Ihr schon selbst herausfinden. Ich war allerdings sehr angetan von der grandiosen Art und Weise, wie Mark Franley seinen Thriller auf die Spitze treibt. Insgesamt existieren von der Mike Köstner-Reihe sieben Titel, die hoffentlich alle noch von Audible vertont werden.

Mit Peter Weiß hat sich ein hervorragender Vorleser gefunden , der den Spannungsbogen wunderbar aufrecht erhält. Die erste Geschichte ist vom Anfang bis hin zum Ende spannend. So kann es weitergehen.

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Wenn ein Lebensmittelkontrolleur zum Schnüffler wird – Rezension zu Oliver Kern: Eiskalter Hund

Eigentlich bin ich ja mehr so der norddeutsche Küstenliebhaber. Auch, was Krimis angeht. Aber wenn mir ein interessanter süddeutscher Titel über den Weg läuft, dann mache ich gerne mal eine Ausnahme. Diese zum Beispiel: Das bei Random House Audio erschienene Hörbuch „Eiskalter Hund“ von Oliver Kern spielt im Bayerischen Wald und kann einen typisch gradlinigen, grantelnden Ureinwohner als Ermittler vorweisen. Sein Name ist Fellinger und sein „Ich“ – Erzähler wird gelesen von Michael Schwarzmaier, der vielen Hörbuch-Fans durch die Lesungen der Krimis von Andreas Föhr ein Begriff sein wird. Fellinger ist Lebensmittelkontrolleur, wollte aber als Kind eigentlich Polizist werden. Daran hat ihn ein ewig kränkeldes Knie gehindert.

Darum führt er nun für das Gesundheitsamt Kontrollen bei Restaurants, lebensmittelverarbeitenden Betrieben und Imbissen durch. Sein Spürsinn hat ihn natürlich auch in diesem Metier nie verlassen. Darum ist die Neugier bei ihm geweckt, als sich ein anonymer Anrufer über das ortsansässige chinesische Restaurant bei ihm beklagt. Als er der Sache auf den Grund gehen will, stellt er zunächst fest, dass die schwarze Soße der Chinesen zwar eklig, aber unbedenklich ist.

Ganz anders sieht es mit dem Kühlhaus des Restaurants aus. Dort hängt ein fachmännisch ausgeweiteter toter Hund am Haken. Auf Nachfrage gibt der Besitzer des Restaurants kleinlaut zu, dass der Hund unabsichtlich überfahren wurde und nun zum Festmahl für die chinesische Familie werden soll. Fellingers weitere Nachforschungen ergeben, dass die Besitzerin ihrerseits verschwunden ist. Von der Tochter erfährt er wenig später, dass diese angeblich in einem Ashram in Indien weilt. Nun ist das Ermittlerherz in ihm geweckt. Er macht sich auf die Suche, um die Wahrheit herauszufinden…

Mit Fellinger tritt eine neue, wunderbar grantlige, typisch bayrische Spürnase auf den Plan. Der Fall selbst scheint eigentlich gar nicht so wichtig zu sein. Viel wichtiger ist das ewig ratternde Hirn des selbst ernannten Ermittlers. Und der lässt uns genauso gerne an seiner Vergangenheit teilhaben (z. B. „Aktenzeichen XY“), wie auch an der aktuellen Situation. Ob er auf die Spur der Besitzerin des Hundes kommen und wie sich die ganze Sache klären wird, möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Hört doch einfach mal in den Fall rein. Ich kann Euch auf jeden Fall eine ganze Menge Spaß und viel grandiose bayerische Mundart garantieren.

Hörprobe