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Wenn ein ganzes Land ausstirbt…: Wieland Wagner – Japan. Abstieg in Würde

Japan, das Land der Demenz. Klingt merkwürdig? Ist aber so. Das Land von Sony und Mitsubishi, der Samurai und des Karatesports, der weltbekannten superleckeren Sushi und der kunstvoll gefalteten Origami Exponate. Dieses Land leidet schon seit geraumer Zeit an Überalterung. Während bei uns immer mehr der Pflegenotstand ausgerufen wird, setzt man in Japan bereits seit ein paar Jahren mehr und mehr auf Technik statt Menschen als Pflegehelfer. In dieser Hinsicht ist das Land tatsächlich noch immer vorbildlich. Denn wo immer mehr Menschen fehlen, da muss die Technik die Pflege übernehmen.

Bei jungen Leuten sieht es in anderer Hinsicht auch nicht gerade rosig aus. Viele junge Männer auf dem Land oder in den Randbereichen der Großstädte finden einfach keine Frau und ziehen sich darum häufig in ihr Jugendzimmer im Elternhaus zurück oder widmen sich nur noch einzig und allein ihrem Arbeitsplatz. Damit tragen Sie indirekt quasi immer mehr dazu bei, dass das Land ausstirbt. Denn wo keine Familien gegründet werden, da gibt es auch keinen Nachwuchs. Also mutieren auf dem Land auch immer mehr Kleinstädte oder Dörfer zu Geisterstädten oder schlichtweg verlassenen Häuseransammlungen.

Seit dem 11.März 2011 hat sich zudem nicht nur für die Einwohner des kleinen Dörfchens Fukushima viel verändert. Seit dem SuperGAU an jenem geschichtsträchtigen Tag im gleichnamigen Atomkraftwerk ist nicht nur der Betreiber Tepco in finanzielle Schwierigkeiten gekommen. Auch Elektronikkonzerne, von denen man das eigentlich gar nicht sofort denkt, wie zum Beispiel Toshiba oder auch Sony, sind in Bedrängnis geraten. Schuld ist die von ihnen hergestellte Halbleiterelektronik, die auch in Fukushima verwendet wurde. Japan war einst der weltgrößte Hersteller von Halbleiterelektronik. Das ist allerdings schon lange nicht mehr so, nicht erst seit Fukushima. Aber der SuperGAU hatte durchaus mehr Einfluss auf den ohnehin schon begonnenen Niedergang, als man es zunächst annimmt.

Buchautor und Spiegel-Asien-Korrespondent Wieland Wagner schildert in seinem bei DVA erschienenen Spiegel Buch und ebook Japan – Abstieg in Würde (auch erschienen als Hörbuch im John Verlag, gelesen von Mark Bremer) auf präzise Art und Weise, wie sich das Land, in dem er lange Zeit gelebt hat, sehr zu seinem Nachteil verändert hat. Japan war, vor allem im Bereich der Unterhaltungselektronik, jahrelang führender Anbieter in der Welt. Heute kämpft es mit Überalterung und Nachwuchsmangel. Ein Zustand, der auch Deutschland erreichen könnte, wenn wir nicht gut genug aufpassen. Ich für meinen Teil hoffe wirklich, dass das Land der aufgehenden Sonne noch einmal die Kurve kriegen wird. Das hoffe ich nicht nur als Fan des heiligen Berges Fujiyama, der schon seit Jahren auf einem Poster bei mir über’m Bett hängt. Sondern auch, weil dieses Land mit seiner Jahrtausende alten Kultur einfach nicht untergehen darf.

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